Newsletter | April 2026
Happy Tag des Zu-Fuß-Gehens! Was – Sie wissen nicht, welcher Tag heute ist? Keine Sorge, das liegt nicht an Ihnen, sondern daran, dass er in Deutschland leider nicht gefeiert wird. Wo heute die große Party fürs Zufußgehen steigt und was sonst noch geht in Sachen Fußverkehr erfahren Sie in unserem Newsletter.
Viel Spaß beim Lesen!
Die Themen im Überblick
- Österreich geht los – Deutschland steht herum
- Rückständiger Minister, mutiger Landrat
- Trauriges Jubiläum bei der Verkehrsministerkonferenz
- FUSSverkehrs-Akademie: Mobilität und sozialer Zusammenhalt
- Alles über Tempo 30 – neue Broschüre des FUSS e.V.
- Gehwegfahren: Fuß- und Radverband suchen gemeinsam Lösungen
- Jane’s Walks des FUSS e.V.
- FUSS e.V. vor Ort: Ortsgruppe Jena gegründet
- Unser erfolgreichster Beitrag auf Social Media
Österreich geht los – Deutschland steht herum
Österreich feiert mit viel Unterstützung der Regierung am 27. April groß den „Tag des Zu-Fuß-Gehens“; die deutsche Regierung: nichts. Hier gute Gründe, warum wir unserem Nachbarland nachlaufen sollten.
Rückständiger Minister, mutiger Landrat
Zur Nationalen Verkehrssicherheitskonferenz hatte Minister Patrick Schnieder in sein Ministerium eingeladen. Rund 300 Expertinnen und Experten kamen am 14. April, darunter vier vom FUSS e.V.
Gleich in seiner Einführungsrede verwickelte sich der Minister in seinen zentralen Widerspruch. Einerseits behauptete er: „Im Straßenverkehr orientieren wir uns weiter am Zielbild der Vision Zero.“
Andererseits hält er zäh an den zu hohen Tempolimits in Orten und auf Landstraßen fest, ebenso am Gar-nicht-Tempolimit auf einem Großteil der Autobahnen. Den Behörden vor Ort wolle er keine pauschalen strikten Limits vorschreiben – doch er schwieg zu der Frage, warum er ihnen für einen Großteil der Hauptstraßen pauschal das zu hohe 50-Limit vorschreibt.
Die angemessene Antwort gab Götz Ulrich, Vize-Vorsitzender des Deutschen Landkreistags. „Verkehrssicherheit gewinnt man nicht durch Anordnungen von oben. Wir brauchen mehr Vertrauen in die kommunale Kompetenz bei Temporeduzierungen. Entscheidungen müssen vor Ort fallen.“ Er bekam deutlich mehr Beifall als der Minister.
Trauriges Jubiläum bei der Verkehrsministerkonferenz
Am 25. und 26. März tagte die Verkehrsministerkonferenz der Länder in Lindau. Inhaltlich gibt es – leider wie üblich – keine bemerkenswerten Beschlüsse zum Fußverkehr.
Es gibt allerdings ein trauriges Jubiläum: Auf dieser Konferenz wiesen die Verkehrsminister der Länder zum zehnten Mal auf die Vorschläge der Ad-hoc-AG-Fußverkehr hin und baten das Bundesministerium für Verkehr, die Vorschläge zu prüfen und die Regelwerke (StVG, StVO und VwV-StVO) entsprechend zu überarbeiten, sowie den Länderministerien mehr Kompetenzen einzuräumen. Die Frage ist, ob aus dieser routinierten Erinnerung irgendwann auch politisches Handeln auf Bundesebene folgt.
Gut zu wissen: Die Ad-hoc-AG Fußverkehrspolitik wurde 2020 durch die Verkehrsministerkonferenz eingesetzt. Fußverkehr war lange ein blinder Fleck der bundesweiten Verkehrspolitik. Die Arbeitsgruppe sollte das erstmals systematisch aufarbeiten. Sie hatte das Ziel, den Fußverkehr sicherer und attraktiver zu machen und dafür den Rechtsrahmen (vor allem StVO und VwV-StVO) anzupassen. Die Arbeitsgruppe veröffentlichte im März 2021 ihren Abschlussbericht. Die Reform der Straßenverkehrs-Ordnung von 2024 hat einzelne Ideen der Arbeitsgruppe aufgegriffen – leider aber deutlich abgeschwächt.
Damit es besser geht
Der blinde Fleck Fußverkehr ist durch die Ad-hoc-AG nur formal beseitigt. Damit der Fußverkehr auf echter Augenhöhe mit anderen Verkehrsarten betrachtet wird, braucht er eine starke Lobby.
Jedes FUSS-Mitglied erhöht die Sichtbarkeit und politische Wirkung für bessere Gehbedingungen.
FUSSverkehrs-Akademie: Mobilität und sozialer Zusammenhalt
Der schwindende soziale Zusammenhalt ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Bei Überlegungen, wie der Umgang miteinander verbessert werden kann, denken wir eher an klassische Dritte Orte wie Vereinsheime, Bibliotheken oder Cafés. Die sozialpsychologische Forschung zeigt jedoch: Die Straße vor der Haustür ist entscheidend und kann als „Social Street“ selbst zu einem Dritten Ort werden.
In unserer nächsten FUSSverkehrs-Akademie spricht Dr. Harald Schuster von der futurkomm gGmbH über den Zusammenhang zwischen alltäglicher lokaler Mobilität und nachbarschaftlichem Zusammenhalt. Im Anschluss an den Vortrag ist wie immer Zeit für Fragen, Diskussion und Austausch.
Wann? Donnerstag, 7. Mai, 18-19 Uhr
Wo? Online per Zoom
Wie? Hier anmelden. Den Teilnahme-Link verschicken wir rechtzeitig an alle Angemeldeten.
Alles über Tempo 30 – neue Broschüre des FUSS e.V.
Unsere Tempo-30-Broschüre ist im Endspurt: Sie enthält alle guten Gründe dafür und widerlegt Vorurteile dagegen – und erklärt, mit welchen Argumenten man Tempo 30 in welchen Straßen fordern kann. An der Broschüre layouten und korrigieren wir gerade noch. Wer sie gleich bei Erscheinen digital zugeschickt haben möchte – natürlich kostenlos – bitte hier die E-Mailadresse eintragen.
Gehwegfahren: Fuß- und Radverband suchen gemeinsam Lösungen
Menschen zu Fuß und Menschen auf dem Rad haben mal ein harmonisches, aber oft auch ein schwieriges Verhältnis zueinander. Größtes Konfliktthema ist das Fahren auf Gehwegen. In welchem Geist man es lösen könnte, zeigen jetzt die Berliner Landesverbände von FUSS e.V. und dem Fahrradverband ADFC in einem gemeinsamen Papier.
Jane’s Walks des FUSS e.V.
Am 1. Maiwochenende finden wieder überall in Deutschland und der Welt Jane’s Walks zu Ehren der Stadtforscherin Jane Jacobs statt.
Jane Jacobs betonte, dass man eine Stadt am besten zu Fuß erkunden kann, um ihre wahre Schönheit und Vielfalt zu erfahren. Sie erkannte die Bedeutung des Zufußgehens im Alltag. Auf ihren täglichen Wegen und Spaziergängen beobachtete sie die Bedürfnisse der Menschen und ließ sich inspirieren. Auf diese Weise entwickelte sie neue Ansätze für eine menschenfreundliche und lebenswerte Stadt.
Bei den Jane’s Walks geht es in erster Linie darum, den eigenen Stadtteil oder Ort besser kennenzulernen und sich mit Menschen aus der Nachbarschaft auszutauschen.
Auch einige FUSS-Ortsgruppen veranstalten wieder Stadtspaziergänge im Laufe des Monats Mai. Alle Jane’s Walks von FUSS e.V. finden Sie hier.
FUSS e.V. vor Ort
Ortsgruppe Jena gegründet
In der Traditionsgaststätte „Zur Noll“ gründeten sieben engagierte Mitglieder die Ortsgruppe Jena des FUSS e.V. Zum Sprecher wurde der Städtestatistiker Volker Holzendorf gewählt. „Die Ortsgruppe wird sich aktiv an Diskussionen zur Mobilität und Verkehrsgestaltung in Jena beteiligen. Hier werden wir die Belange von zu Fuß Gehenden mit einer starken Stimme vertreten. Jena ist nämlich die Hauptstadt des Fußverkehrs in Deutschland. Über 40% der täglichen Wege werden in Jena zu Fuß zurückgelegt. Dies sind mehr Wege als mit dem Auto oder dem Fahrrad zusammen stattfinden“, erklärt Holzendorf die Motivation zur Gründung in der Pressemitteilung der Ortsgruppe Jena.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind für Montag, den 18. Mai um 19 Uhr zum nächsten Stammtisch des FUSS e.V. Jena in die Gaststätte „Zur Noll“ eingeladen. Mehr Infos








