Österreich geht los – Deutschland steht herum

Jedes Jahr macht sich unser Nachbarland Österreich am 27. April auf die Beine: Auf Initiative seiner Bundesregierung gibt es in allen größeren Städte Veranstaltungen, die den Fußverkehr voranbringen sollen.

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Es gibt Begegnungsorte auf der Straße und „Zebrastreifen-für-uns“-Aktionen, Stadttouren und Spaziergänge mit Stars wie der Fernwanderin Silvia Schaffner. Wetläufige Orte präsentieren „healthy streets“, „Mobility4Health“ und einen „silly walk contest“. Für einen ganzen Monat startet ein landesweiter Schrittzähl-Wettbewerb.

Und was macht die deutsche Regierung? Nichts. Der 27. April zeigt erneut den Vorsprung unserer Nachbarn. Hier gab der Bund pro Jahr bis zu 20 Millionen Euro für Fußverkehr; in Deutschland mit neunmal mehr Einwohnern sind es gerade einmal 2,5 Millionen. Österreich hat einen ehrgeizigen „Masterplan Gehen 2030“, Deutschland hat nichts. Auf die ersten Nationalen Fußverkehrsstrategie des vorigen Verkehrsministers Volker Wissing folgt unter seinem Nachfolger Patrick Schnieder nichts.

Dabei wäre es dringend nötig: Das Gehen ist Deutschlands wachstumsstärkste Mobilitätsform; allein von 2017 bis 2023 wuchs sein Anteil an allen Wegen von 22 auf 26 Prozent. Die starke Babyboomer-Generation geht in Rente, und in dem Alter gehen Menschen mehr als vor her in der Erwerbsphase. Die großen Städte platzen aus den Nähten und brauchen dringend mehr fuß- und öffentlichen Verkehr, der am besten für engen Raum taugt. Auch Deutschland braucht den Tag des Gehens. 2027 sollte Minister Schnieder so beherzt losgehen wie Österreich.

Website zu Österreichs „Tag des Zu-Fuß-Gehens“: https://oesterreichzufuss.at/tag-des-gehens/

23.04.26