Software-Skandal in Teslas Autopilot: Regelbrüche eingebaut, doch EU-Zulassung droht
In der Europäischen Union droht die Zulassung eines Tesla-Autopiloten, obwohl das System in unabhängigen Tests wiederholt Verkehrsregeln bricht. Am 6. Oktober berät das Technical Committee on Motor Vehicle (TCMV) der EU über das System „Tesla FSD (supervised)“. Das ist ein Autopilot, der das Fahrzeug selbständig führt, aber noch vom Fahrer überwacht werden muss. Die Zulassung würde pauschal für alle EU-Länder gelten.
Eine heute veröffentlichte Studie der belgischen Mobilitätsorganisation johanna.be zeigt jedoch, dass das Tesla-System immer wieder Tempolimits ignoriert. In der Region Brüssel-Hauptstadt überschritt FSD in mehr als der Hälfte der getesteten 30-km/h-Abschnitte die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit. Einzelne Teslas fuhren mehr als 50 Prozent schneller als erlaubt.
Damit droht ein neuer Software-Skandal mit noch schlimmeren Folgen für Gesundheit und Leben als der Abgasbetrug im vorigen Jahrzehnt: Bei Tempo 50 sind Unfälle viel häufiger und die Verletzungen viel schwerer als bei 30, weil der Anhalteweg viel länger und der Aufprall viel heftiger ist. Nach diversen Studien ist das Todesrisiko für angefahrene Fußgänger bei 50 etwa viermal so hoch.
Wo 30 erlaubt ist, zeigt Tesla 50 an
Außerdem gibt das System dem überwachenden Fahrer in Tempo-30- Zonen falsche Informationen zum geltenden Tempolimit: Auch wo 30 gilt, bekommt er oft 50 angezeigt. Er droht dann manuell auf das überhöhte Tempo zu gehen. In Fahrradstraßen versuchte der Autopilot wiederholt, Radfahrer zu überholen, obwohl dies nach belgischem Recht verboten ist.
Der weltweite Fußgängerverband International Federation of Pedestrians fordert daher die EU auf, das System erst bei nachgewiesenem Beenden der einprogrammierten Regelbrüche in Europa zuzulassen. Der Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. fordert die Bundesregierung auf, sich in Brüssel hierfür einzusetzen. “Wir befürworten Autopiloten, wenn sie die Straßen sicherer machen. Wenn aber Regelbruch und Gefahr direkt einprogrammiert sind, ist das ein ganz böses Omen. Anarcho-Autonomie ist das Letzte, was wir auf den Straßen brauchen können.”
Daten und Videos im Netz
Hier gibt es einen Bericht von Johanna.be mit Videobeispielen. Johanna.be ist eine in Brüssel ansässige gemeinnützige Organisation, die von der Region Brüssel-Hauptstadt als Mobilitätsvereinigung anerkannt ist. Die Organisation setzt sich für sicherere, gesündere und lebenswertere städtische Umgebungen ein, mit besonderem Schwerpunkt auf aktiver Mobilität.
