Newsletter | Februar 2026

Liebe Fußverkehrs-Interessierte,

das Eis auf den Gehwegen ist geschmolzen und einzig der knirschende Split zeugt noch von diesem Winter, der Zufußgehende auf eine besonders harte Probe stellte. In diesem Newsletter schauen wir zurück auf den letzten Monat – unter anderem mit einem kritischen Blick auf Unfallstatistiken, Impulsen für kommunale Fußverkehrsförderung und dem Bericht einer engagierten Ortsgruppe des FUSS e.V., die dem Gehwegparken entschlossen den Kampf angesagt hat. Und natürlich blicken wir nach vorn, auf den nahenden Frühling mit Tipps für Veranstaltungen und Lektüre.

Zahl der Getöteten Menschen zu Fuß weiterhin hoch

Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 bei Fußgänger:innen “ein Plus von vier Getöteten” – abgesehen von der geschmacklosen Formulierung ein verkehrspolitischer Skandal. Demnach starben auf Deutschlands Straßen 406 Menschen zu Fuß; alle 22 Stunden einer. Die Zahl liegt seit Jahren in diesem Bereich.

Hauptschuldige sind nicht rasende Autofahrerinnen oder leichtsinnige Fußgänger, sondern ideologisch fixierte Verkehrspolitik, die stur am Prinzip „Tempo 50 auf Hauptstraßen in Stadt und Dorf“ festhält. 2024 wurde das ein wenig gelockert, gilt aber weiter als Grundsatz.

Wir fordern von Bundesverkehrsminister Schnieder: Tempo 30 überall, wo Menschen zu Fuß und auf dem Rad die Fahrbahn überqueren oder benutzen müssen! Wer politische Verantwortung trägt, muss auch die Konsequenzen tragen: Das Festhalten an veralteten Verkehrsdogmen kostet Menschenleben und muss beendet werden.
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Stürze ohne Statistik

Alleinunfälle von Zufußgehenden werden in Deutschland nicht in der Unfallstatistik erfasst – anders als Unfälle mit Fahrzeugen, die vollständig gezählt werden. Im Januar erreichte FUSS e.V., dass diese statistische Schieflage in einem eigenen Arbeitskreis des Deutschen Verkehrsgerichtstags diskutiert und damit an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Eine Mehrheit für die notwendige Reform des Straßenverkehrsunfallstatistikgesetzes kam jedoch leider nicht zustande. Der Fußverkehr wird noch immer nicht gleichberechtigt behandelt. Das ist umso erschreckender, als die Diskussion zu einem Zeitpunkt stattfand, als ganz Deutschland über vereiste Gehwege schlitterte und Verunfallte die Notaufnahmen füllten. Dennoch gelten diese Fälle weiterhin statistisch als „nicht existent“.
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FUSSverkehrs-Akademie: Mobilität von Kindern und Jugendlichen

Kinder und Jugendliche sind viel unterwegs. Sie nutzen Straßen und Wege jeden Tag auf dem Weg zur Schule und in ihrer Freizeit. In unserer nächsten FUSSverkehrs-Akademie zeigt Dr. Sebastian Rauch vom Institut für empirische Soziologie der Universität Nürnberg-Erlangen anhand aktueller Daten, wo und wann besondere Risiken bestehen. Er erklärt, warum unser Verkehrssystem den Bedürfnissen von Kindern oft nicht gerecht wird. Im Mittelpunkt stehen konkrete und wirksame Ansätze: von der Verkehrserziehung bis zur kindgerechten Gestaltung des Straßenraums. Im Anschluss an den Vortrag ist wie immer Zeit für Fragen, Diskussion und Austausch.

Wann? Donnerstag, 5. März, 18-19 Uhr
Wo? Online per Zoom
Wie? Hier anmelden. Den Teilnahme-Link verschicken wir rechtzeitig an alle Angemeldeten.
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Umfrage: Wie kommunizieren Kommunen Fußverkehr?

Wir möchten wissen, wie Kommunen Fußverkehr kommunizieren, auf welche Herausforderungen sie dabei stoßen und ob sie bereits gute Erfahrungen gesammelt haben, die sie mit anderen Kommunen teilen möchten. Dazu ruft FUSS e.V. alle Kommunen in Deutschland auf, sich bis Ende April 2026 an unserer Umfrage zu beteiligen. Aus den Erkenntnissen erstellen wir eine Handreichung mit Empfehlungen und guten Beispielen für eine wirksame Kommunikation von Fußverkehrsthemen. Die Umfrage findet im Rahmen des Projekts „Los geht’s! – So geht guter Fußverkehr“ statt, das von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt gefördert wird.
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Die neue MobiLogisch ist da!

Schwerpunktthema der aktuellen Ausgabe: Mobilitätsgerechtigkeit. Ob Gehwegparken, Flächengerechtigkeit, Mobilitätsarmut, Gendergerechtigkeit oder Barrierefreiheit – der soziale Aspekt der Verkehrsgestaltung ist vielschichtig und gehört stärker in den Mittelpunkt der Debatten. Analysen, Praxisbeispiele und konkrete Ideen finden Sie in der neuen MobiLogisch.
Hier bestellen oder direkt abonnieren.
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FUSS e.V. sucht Mediengestalter:in – Bewerbungsschluss 1. März!

Werde Teil von FUSS e.V. und gestalte mit uns Bilder, die etwas bewegen!
Als Mediengestalter:in verbindest du Kreativität mit gesellschaftlichem Engagement – für eine lebenswertere und gerechtere Mobilität. Alle Infos hier. Jetzt noch schnell bewerben – bis zum 1. März!
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Baden-Württemberg geht voran

Baden-Württemberg hat seit Jahresbeginn eine Fußverkehrsstrategie.
Fokus der Strategie sind Lebensqualität in Ortsmitten sowie Schulwegsicherheit. Das soll unter anderem durch breite Gehwege, sichere Querungen, kürzere Ampelwartezeiten und konsequenteres Vorgehen gegen Falschparker erreicht werden sowie durch die Halbierung der Anzahl an Elterntaxis bis 2030. Baden-Württemberg hat die Bedeutung und das Potenzial des Fußverkehrs erkannt und geht mit gutem Beispiel voran. Entscheidend wird nun die konkrete Umsetzung sein und für die braucht es einen genauen Plan mit Maßnahmen, Fristen, Zuständigkeiten sowie der Finanzierung.

Auf Bundesebene fehlt bislang ein verbindlicher Fußverkehrsplan und somit bleibt die Nationale Fußverkehrsstrategie ohne praktische Wirkung.
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AGFKs nehmen Fußverkehr in den Fokus

Die Arbeitsgemeinschaften Fuß- und Fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) sind Zusammenschlüsse von Städten, Gemeinden und Landkreisen, die sich für die Förderung des Fuß- und Radverkehrs einsetzen. Ursprünglich stand das „F“ in AGFK nur für „Fahrrad“, mittlerweile steht es auch für „Fuß“.

Ab März 2026 startet die AGFK Deutschland die Seminarreihe „Zu Fuß in die Zukunft“. In neun Terminen wird es darum gehen, wie Kommunen den Fußverkehr gut planen und stärken können – von Motivation und ersten Ideen über rechtliche Fragen bis hin zu Barrierefreiheit und guter Kommunikation. Mitmachen können alle Mitarbeitenden von Kommunen, die Mitglied einer zur AGFK Deutschland gehörenden Arbeitsgemeinschaft sind.
Weitere Informationen hier.

Bei der letzten Mitgliederversammlung der AGFK Bayern 2025 stieß die stärkere Integration des Fußverkehrs in die Vereinsarbeit auf breite Zustimmung. Die Mitglieder möchten Rad- und Fußverkehr künftig gemeinsam denken und die Vorteile dieser Zusammenarbeit besser nutzen.
Weitere Informationen hier.
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Besucht den ADAC!

Der Automobilclub tourt mit einer neuen Veranstaltungs-Serie durch Deutschland, diesmal zu Unfällen. Der ADAC ist da widersprüchlich: Einerseits sieht er das Problem klar. Andererseits verweigert er sich noch der wirksamsten Lösung, nämlich Tempo 30 überall dort, wo über die Fahrbahn gegangen werden muss. Wer eine ADAC-Veranstaltung in der Nähe hat: Hingehen und mitdiskutieren!

 

FUSS e.V. vor Ort

Hamm startet Transparenz-Offensive gegen Gehwegparken

Die Debatte um zugeparkte und durch Autos versperrte Gehwege in Hamm erreicht eine neue Eskalationsstufe. Statt weiterer Appelle setzt die Ortsgruppe des FUSS e.V. Hamm nun auf harte Fakten: Sie hat drei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz NRW an die Stadtverwaltung gestellt, um ein mutmaßlich systematisches Versagen aufzudecken. Ziel ist eine faktenbasierte Bewertung, ob die Stadt ihre selbst formulierten Ansprüche an Sicherheit, Kinderfreundlichkeit und Barrierefreiheit tatsächlich erfüllt.
Im Fokus stehen drei Ebenen: Werden Hinweise aus Verkehrsschauen von Polizei und Fachbehörden berücksichtigt? Ahndet die Stadt Parkverstöße auf Gehwegen konsequent? Und wird in Neubaugebieten ausreichend barrierefreie Infrastruktur geplant – oder zugunsten zusätzlicher Parkplätze zurückgestellt?
FUSS e.V. Hamm kündigt an, den gesamten Prozess öffentlich zu dokumentieren – von der Anfrage bis zur Antwort und möglichen weiteren Schritten. Mehr Infos hier.

Erfolgreichster Beitrag auf Social Media

Aktivist:innen von FUSS e.V. halten Schilder hoch mit der Aufschrift: 2021 versprochen
Aktivist:innen von FUSS e.V. halten Schilder hoch mit der Aufschrift: 2026 gebrochen

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19.03.26