Berlin: Metropole oder Bleifuß-Bullerbü?

Soll Berlins Verkehrssicherheit Metropolen-Niveau erreichen oder soll die Stadt ein provinzielles, rückständiges Bleifuß-Bullerbü sein? Das fragen wir zur aktuellen Diskussion um Tempo 30 oder 50 auf Hauptstraßen.

Vorbild für Berlin sind für uns Metropolen wie London, Paris und Brüssel. In diesen Städten ist das Netz der 50-Straßen stark ausgedünnt – und die Zahl der schweren Unfälle dadurch um bis zu 40 Prozent gesunken. In Berlin mit seinem weiter dichten Netz an Tempo-50-Straßen sank sie in den Jahren seit 2020 nur um 1,6 Prozent.

Außer dort, wo im Jahr 2019 zwecks Luftreinhaltung Tempo 30 gilt. Dort sank anschließend nach FUSS-Zählung die Zahl schweren Unfälle fast so stark wie in den Sicherheits-Metropolen Westeuropas. Es ist widersinnig und geradezu lebensgefährlich, dass Senatorin Bonde jetzt auf diesen Straßen zu Tempo 30 zurück will. Hier ist im Schnitt jede Woche mit einem Verletzen oder Toten mehr zu rechnen.

Berlin sollte stattdessen zu den Sicherheits-Metropolen aufschließen. Und das geht: Seit den Verkehrsrechts-Änderungen von 2024 ist jetzt Tempo 30 an viel mehr Hauptstraßen möglich – auf lebhaften Schulwegen, an Zebrastreifen und dort, wo heute noch Tempo 50 auf einem kurzen Stück zwischen zwei 30-Abschnitten gilt.

Im Geodatenportal des Berliner Senats haben wir 539 Orte in Berlin ermittelt, die dieses Potenzial zur Entschleunigung haben: 90 Zebrastreifen, 181 Schulumfelder und 268 kurze 50-Stücke. Hier überall sollte der Senat schnellstens und mit dem Willen zu mehr Sicherheit prüfen, wo die Entschleunigung besonders dringend und rechtlich geboten ist. Ute Bonde hat die Wahl: Sie kann sich als Sicherheits-Senatorin profilieren oder weiter eine Politik betreiben, bei der auf Berlins Straßen sogar noch mehr Blut fließt als heute.

Viele Zahlen und Fakten zum Thema in dieser Präsentation

29.08.25