Technik gegen Amokfahrer und Raser – besser als Poller
Wirksame Technik gegen Amokfahrten wie zuletzt in Leipzig gibt es längst: Der „Intelligent Speed Assistant“ ISA sorgt dafür, dass ein Auto nur so schnell fahren kann, wie es gerade darf – wo nötig Schritttempo.
Kameras und Navis des Autos erfassen das jeweilige Limit und drosseln automatisch den Motor. Seit 2024 muss ISA in alle Neuwagen in der Europäischen Union eingebaut werden, aber mit einer großen Schwäche: Fahrer können es mit einem Kick aufs Gaspedal einfach ausschalten. Wir fordern: ISA muss in alle Autos – und darf innerorts nicht ausschaltbar sein.
Das beuge nicht nur Amokfahrten vor, sondern vor allem auch dem alltäglichen Schnellfahren in Städten und Dörfern. Zu hohes Tempo ist die häufigste Ursache für Innerorts-Unfälle. Bei denen sterben im Deutschland jedes Jahr rund 900 Menschen, 200.000 werden verletzt. Der European Transport Safety Council schätzt, dass es bei Einhalten aller Tempolimits in der EU 30 Prozent weniger tödliche Unfälle gäbe.
Die Option zum ISA-Ausschalten setzte im EU-Beschluss der damalige deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer durch. Er berief sich auf das „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“ von 1968, laut dem Fahrer die Option haben müssen, jede Technik im Auto zu übersteuern. Menschen am Steuer hielt man im vorigen Jahrhundert für verlässlicher als Technik. Das ist längst verhaltet; Festzuhalten darin ist zynisch. Sichere Technik kann und muss tödlichem Fahrerverhalten vorbeugen – in der alltäglichen Raserei und bei Amokfahrten.
