Berlin: Drei Parteien für Ende des E-Scooter-Chaos
Auf Initiative des Blindenverbands ABSV und von FUSS fordern 47 Berliner Organisationen ein rasches Ende des E-Scooter-Chaos auf Gehwegen. Die Politik reagiert; drei Parteien haben jetzt den Forderungen des Bündnisses zugestimmt. Damit bahnt sich In Berlin das Ende des wilden E-Scooter-Parkens an. Die Erlaubnisse dafür enden am 31. März 2027 und sollen nicht verlängert werden. Das versprechen die Spitzenkandidaten Elif Eralp für die Linke, Steffen Krach für die SPD und Werner Graf für die Grünen. Die drei Parteien haben das Thema zur Chefsache gemacht, nachdem sich im Juni das Bündnis „E-Scooter aus dem Weg“ gegründet hat. Es ist initiiert vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehinderten Verein ABSV und vom FUSS e.V. und besteht inzwischen aus 47 Organisationen von und für Senioren, Menschen mit Behinderungen, soziale Belange, Umwelt- und Naturschutz, Verkehr, Stadtbild und Denkmalschutz. Unter diesem Text alle Bündnispartner.
Das Bündnis fordert: „Künftige Genehmigungen ab April 2027 soll es nur noch für das Abstellen in festen Stationen geben. Und es sollen nur so viele Fahrzeuge zugelassen werden, wie Platz an diesen Stationen ist.“ Genau das greifen die drei Parteien jetzt auf.
- Linke: Spitzenkandidatin Elif Eralp kündigt an: „Neue Erlaubnisse gibt es nur noch für stationsgebundene Angebote.“
- SPD: Spitzenkandidat Steffen Krach erklärt: „E-Scooter dürfen nur in ausgewiesenen Abstell- und Parkzonen abgestellt werden.“
- Grüne: Spitzenkandidat Werner Graf schreibt auf Instagram: „Dafür setze ich mich ein: feste Stationen statt Chaos auf dem Gehweg, mit klaren Obergrenzen für die Anzahl der Roller.“ Graf bejahte die Frage, ob das sofort nach Auslaufen der jetztigen Wildpark-Erlaubnisse am 31.3.2027 gelten soll.
(Ganz unten auf dieser Seite die vollständigen Statements)
Unserem Bündnis gehören 47 Organisationen und Initiativen an; sie vertreten mehr als eine Million Menschen in Berlin. Die Mitstreiter im Bündnis haben viele Interessen: Sie wollen frei und sicher gehen und radfahren können, wollen besonders den Schutz von Kindern, Alten und Menschen mit Behinderungen. Sie wollen umweltschonenden Verkehr, stressfreien Stadtgenuss und ein schöneres Stadtbild. Wir wollen E-Scooter nicht verbieten, sondern wollen sie zivilisieren.
Jetzt freuen wir uns auf E-Scooter-befreite Gehwege im nächsten Frühling. Grüne, Linke und SPD reagieren endlich auf den breiten Unmut über das E-Scooter-Chaos. Besonders wichtig: mit Elif Eralp und Werner Graf und Steffen Krach bekennen sich drei der vier Berliner Spitzenkandidaten zu sozialen und mehrheitenfreundlichen Verhältnissen auf den Gehwegen. Nur Stefan Evers hat sich noch nicht geäußert. Nach dem CDU-Wahlprogramm soll das Gehweg-Chaos erst in zehn Jahren enden.
Für die Bündnis-Initiatoren sagt Dr. Thomas Krämer, Geschäftsführer des Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenvereins ABSV: „Unmut und Wut über störend und gefährlich abgestellte E-Scooter sind völlig zu Recht weit verbreitet. Nur etwa 15 Minuten pro Tag werden die Leihfahrzeuge im Schnitt bewegt. Die restlichen 23 Stunden und 45 Minuten stehen und liegen sie im Weg. Zu 99 Prozent der Zeit sind sie Mobilitäts-Störer, nicht Mobilitäts-Träger. Wir erwarten nun, dass den Versprechungen im Wahlkampf Taten folgen, damit unsere Gehwege endlich wieder frei und für alle Menschen sicher nutzbar werden.“
Soziales, Senioren, Stadtbild: Breites Bündnis gegen das Chaos
Initiatoren:
Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin
FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
Leih-E-Scooter dürfen ab 2027 ausschließlich auf festen Abstellflächen geparkt werden. Es dürfen nur so viele Fahrzeuge zugelassen werden, wie auf diese Flächen passen.
Diese Forderung unterstützen
- Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen ASL e. V.
- Aspies e. V. – Menschen im Autismusspektrum
- Behindertenbeirat Friedrichshain-Kreuzberg
- Behindertenbeirat Lichtenberg
- Behindertenbeirat Reinickendorf
- Behindertenbeirat Spandau
- Berliner Blinden- und Sehbehindertensportverein von 1928 e. V. (BBSV)
- Berliner Historische Mitte e. V.
- Berliner Netzwerk für Grünzüge
- Blindenhilfswerk Berlin e. V.
- Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Berlin e. V. (BUND Berlin)
- Bundesverband der Rehabilitationslehrer/-innen für Blinde und Sehbehinderte (Orientierung & Mobilität und Lebenspraktische Fähigkeiten) e. V.
- Bundesverband Graue Panther e.V.
- Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e. V. (BSK)
- Changing Cities e. V.
- Der Paritätische Wohlfahrtsverband, Landesverband Berlin e. V.
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V. (DBSV)
- Deutscher Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e. V. (DVBS), Bezirksgruppe Berlin-Brandenburg
- Frauenbeirat Stadtplanung Mitte
- Gehörlosenverband Berlin e. V.
- Gesellschaft Historisches Berlin e. V.
- Kollegium der Johann-August-Zeune-Schule für Blinde und Berufsfachschule Dr. Silex
- Konferenz der Landes- und Bezirksbeauftragten für Menschen mit Behinderung in Berlin
- Landesseniorenbeirat
- Landesseniorenvertretung
- Landesvereinigung Selbsthilfe Berlin e. V. (LV Selbsthilfe Berlin)
- NABU e. V.
- Petition Sicherheit vor PRofit! Stopp dem Scooter-Chaos in Berlin – Unsere Kinder schützen
- PRO RETINA Deutschland e. V., Regionalgruppe Berlin-Brandenburg
- Seniorenschutzbund SSB Graue Panther Berlin e.V.
- Seniorenschutzbund SSB Graue Panther Marzahn- Hellersdorf e.V.
- Seniorenvertretung Friedrichshain-Kreuzberg
- Seniorenvertretung Lichtenberg
- Seniorenvertretung Marzahn-Hellersdorf
- Seniorenvertretung Mitte
- Seniorenvertretung Neukölln
- Seniorenvertretung Pankow
- Seniorenvertretung Spandau
- Seniorenvertretung Steglitz-Zehlendorf
- Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg
- Seniorenvertretung Treptow-Köpenick
- SFZ Förderzentrum gGmbH, Sehzentrum Berlin
- Stadtbild Deutschland e. V.
- Stiftung Mitte Berlin
- Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg e. V.
Weitere Organisationen und Einzelpersonen sind willkommen! Bitte nennen Sie uns den Namen Ihrer Organisation oder Ihren Namen, wenn Sie diese Forderung unterstützen. Namen von Privatpersonen werden nicht veröffentlicht.
Hier die vollständigen Antworten von drei Parteien auf unsere Bitte um ein Statement. Die Hervorhebungen in den Antworten sind von uns.
Elif Eralp, Linke
„Kein Roller-Mikado mehr auf unseren Straßen!
Herumliegende E-Scooter auf Gehwegen und in Parks. Zugeparkte Eingänge. Betrunkene Fahrer. Touristen in Rollerkolonnen, die Fußgänger gefährden. Ältere Menschen, die sich vor Rasern auf dem Bürgersteig fürchten. Der Frust ist groß. Und er ist berechtigt.
Der schwarz-rote Senat hat das E-Scooter-Chaos bis heute nicht in den Griff bekommen. Stattdessen will er den Systemwechsel bei E-Scootern bis 2035 vertagen. Ich werde ihn nach dem Auslaufen der Sondernutzungserlaubnisse 2027 konsequent einleiten. Neue Erlaubnisse gibt es nur noch für stationsgebundene Angebote. Gleichzeitig wird ein verlässliches Netz an Mobilitätsstationen weiter ausgebaut. Um es klar zu sagen: Wer nach dem Auslaufen der Sondernutzungserlaubnisse ab dem 1.4.2027 E-Scooter in Berlin anbieten will, darf das weiterhin tun. Stationsgebunden. Datenbasiert. Kapazitätsbegrenzt. Mit klaren Sanktionen für regelwidriges Verhalten. Wir führen ein neues Konzessionierungsmodell ein, wie wir es in der Linksfraktion schon lange vorschlagen. Ihre Fahrzeuge gewerblich zur Verfügung stellen können nur noch Anbieter, die zuverlässig sind. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird ausgeschlossen. Sharing bleibt möglich, wo es stadtverträglich organisiert ist. Vorrang haben Barrierefreiheit, Verkehrssicherheit und Ordnung im öffentlichen Raum.“
Steffen Krach, SPD
„Die Sharing-Strategie von Senatorin Bonde sieht eine Lösung für die E-Scooter bis 2035 vor. Das heißt: Es soll noch neun Jahre dauern, um das Problem insgesamt zu lösen. Mit diesem Schneckentempo macht sich Berlin lächerlich, das ordentliche Abstellen von Rollern kann nicht ernsthaft eine Aufgabe für fast ein Jahrzehnt sein. Das muss schneller gehen und deswegen habe ich dieses Thema zu einem der Punkte für mein 100-Tage-Programm gemacht. Die Menschen erwarten jetzt Recht und Ordnung auf den Gehwegen und dabei müssen wir auch die Anbieter in die Pflicht nehmen.
Wir setzen auf zwei Maßnahmen: Einerseits auf konsequentes Geofencing. Das bedeutet: E-Scooter dürfen nur in ausgewiesenen Abstell- und Parkzonen abgestellt werden. Diese Zonen können baulich gekennzeichnet oder digital in den Apps der Anbieter hinterlegt sein. Außerhalb dieser Bereiche kann der Mietvorgang technisch nicht beendet werden. Die Anbieter müssen diese Vorgaben verbindlich umsetzen. Bei Verstößen drohen Vertragsstrafen sowie Konsequenzen für die Sondernutzungserlaubnis – bis hin zu deren vorzeitigem Entzug. Damit wird die Verantwortung der Anbieter deutlich stärker verankert als bisher, wo im Wesentlichen erst bei einer zukünftigen Vergabeentscheidung Konsequenzen möglich waren.
Andererseits müssen parallel ausreichend Abstellflächen am Straßenrand geschaffen werden, damit E-Scooter nicht mehr auf Gehwegen abgestellt werden. Da die aktuellen Sondernutzungserlaubnisse Ende März 2027 auslaufen, besteht jetzt die Möglichkeit, diese Anforderungen verbindlich festzulegen, bevor die Erlaubnisse erneut für mehrere Jahre vergeben werden.“
Werner Graf, Grüne, auf Instagram
„Dafür setze ich mich ein: feste Stationen statt Chaos auf dem Gehweg, mit klaren Obergrenzen für die Anzahl der Roller.“ Graf bejahte die Frage, ob das sofort nach Auslaufen der bisherigen Wildpark-Erlaubnisse am 31.3.2027 gelten soll.
Oda Hassepaß, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus
„E-Scooter gehören runter vom Gehweg und auf feste Abstellflächen. Als Grüne unterstützen wir die Forderung des Bündnisses gegen „E-Scooter-Chaos auf Gehwegen“ ausdrücklich. Gehwege müssen sichere Orte für alle Menschen sein, die zu Fuß unterwegs sind – besonders für Schulkinder, ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen. Die Verkehrspolitik der CDU lässt wieder einmal die Menschen im Stich, die Schutz am meisten brauchen. Andere Städte wie Paris oder Oslo zeigen, dass entschlossenes Handeln möglich ist. Berlin muss jetzt verbindliche Abstellflächen für E-Scooter schaffen – in der gesamten Stadt, auch in den Außenbezirken.“
