Kinder gehen’s an –
in Berlin
Die Projektaktivitäten in Berlin begannen im Herbst 2021. Wir kooperierten mit dem Otto-Spielplatz im Bezirk Moabit, einem pädagogisch betreuten Spiel- und Lernort für Kinder, im Bewusstsein der Schwierigkeiten, die eine offene Gruppe mit sich bringt.
Wir stellten uns an mehreren Tagen, wechselweise vormittags und nachmittags samt bedruckter Planen auf dem Otto-Spielplatz auf und baten die dort spielenden Kinder ihre Wege zum Otto-Platz mit Hilfe von farbigem Klebeband einzutragen. Gefährliche Wege wurden mit rotem Klebeband gekennzeichnet. Angenehme Wege wurden mit grünem Klebeband gekennzeichnet. Die Ergebnisse wurden in der Aktionswoche “Bewegung, Gesundheit, Umwelt, Natur und Klimaschutz“ auf dem Otto-Spielplatz vom 28.8 – 2.9.2022 präsentiert.
Kurze Ampelphasen und schmale Mittelinseln
Nach Befragung von Kindern, Erzieher:innen, Lehrer:innen und Erziehungsberechtigten kristallisieren sich für das Gebiet um den Otto-Park folgende Problematiken heraus:
- zu kurze Ampelphasen, vor allem an Straßen mit Mittelinseln sowie
- zu kleine Mittelinseln.
Exemplarisch haben wir uns die Ampelphasen an der Miriam-Makeba-Grundschule an der Kreuzung Gotzkowskystraße Ecke Alt-Moabit angeschaut.
Die Überquerung dieser mit viel Verkehr belasteten Straßen ist wegen zu kurzer Ampelphasen schwierig. Die Grünphase der Ampel zur Überquerung Alt-Moabit beträgt 15,8 Sekunden. Die Grünphase der Ampel zur Überquerung der Gotzkowskystraße beträgt 6,8 Sekunden. Hier handelt es sich um eine extrem kurze Ampelphase, obwohl viele LKWs, Sprinter und andere Großfahrzeuge – vom Großmarkt kommend – mit hoher Geschwindigkeit diese Straßen nutzen. Das heißt, eine Schulklasse hat 6,8 Sekunden Zeit bis zur Mittelinsel zu gelangen. Die Mittelinsel ist jedoch sehr klein und bietet keinen Platz für so viele Kinder. Den Lehrer:innen und Erzieher:innen bleibt nur die Möglichkeit, die Klasse zu teilen und nacheinander die Mittelinsel zu nutzen, oder einen Umweg zu nehmen. Auch von vielen anderen – vor allem Kitas – wurde ähnliches berichtet. So wurde uns mitgeteilt, dass die Fußgängerampeln in der Rathenowstraße, in der Stromstraße und an der Kreuzung Jagowstraße Ecke Alt-Moabit die gleiche Problematik aufweisen.
Dies ist nicht nur ein Problem für Kinder und Jugendliche, sondern für alle Personen, die durch Beeinträchtigungen jeglicher Art, nicht in der Lage sind im “Dauerlauf” die Ampeln zu überqueren. So beobachteten wir ein Pärchen –beide mit Rollatoren ausgerüstet – wie sie sich darum bemühten, eilig die Straße Alt-Moabit Ecke Elberfelderstraße bei grüner Ampelphase zu überqueren. Dies gelang ihnen trotz zügigem Schritt kaum.
Es braucht Entsiegelung und Verkehrsberuhigung
Positive Rückmeldungen erhielten wir von Schüler:innen der Hansa-Grundschule. Diese bewegen sich, um zum Otto-Park zu gelangen, durch Wohngebiete mit verkehrsberuhigten Straßen und Spielstraßen (z. B. Wohngebiet Westfälisches Viertel) und berichteten, “problemlos“ zum Otto-Park zu gelangen.
Generell gilt: Die Stadt ist versiegelt. Entsiegelung ist die Devise. Immer größere Autos bewegen sich im Verkehr. Es muss viel mehr Grünflächen geben. Die Übergänge an den Ampeln sollten in der Mitte begrünt werden. Die Ottostraße sollte zur Spielstraße werden, ggf. mit Sperrung des Abschnitts zwischen Zwinglistraße und Alt-Moabit für den Fahrzeugverkehr, auf jeden Fall verkehrsberuhigt. Der Übergang an der Kreuzung Elberbfelderstraße Ecke Alt-Moabit sollte zudem übersichtlicher gestaltet werden.
Fazit und Dank
Das Projekt hat uns im großen und ganzen viel Spaß gemacht, trotz der Misserfolge, die wir hatten. Gerade die Kinder in Gebieten wie Wedding und Moabit, viele mit Migrationshintergrund, brauchen viel Ansprache und Zuspruch, um auch die Gefahren im Straßenverkehr zu erkennen.
Besonderer Dank gilt Bernd Brunner, dem Leiter des Otto-Spielplatzes, Thomas Büttner vom Büro Büttner für Prozessberatung und Sabine Franz-Winkler vom Kinder- und Jugendbüro Mitte Moabiter Ratschlag e.V.


