Weserkurier 10.08.2026
„Da passiert jeden Tag etwas“
Falsch geparkte Autos sorgen für Engstelle im Viertel – mit spürbaren Auswirkungen

Die Straßenbahn bimmelt, dann wird sie langsamer und stoppt schließlich ganz. Der Fahrer mittleren Alters des silbernen Opel Meriva, der in einem zum Be- und Entladen freigegebenen Bereich steht und dessen linke Seite leicht auf die Fahrbahn ragt, setzt das Auto weiter von der Fahrbahn weg. Täte er dies nicht, hätte die Bahn keine Chance, an ihm vorbeizukommen.
Vom Reporter gefragt, warum er in einem Bereich steht, in dem absolutes Halteverbot gilt, der nur durch das Zusatzschild „Ladeverkehr frei“ zu bestimmten Uhrzeiten zum Anliefern freigegeben ist, antwortet der Fahrer des Wagens mit Bremer Kennzeichen auf Englisch: „I go now. I go now, okay?“ Schauplatz des Geschehens ist das Viertel, genauer die Straße Vor dem Steintor, Höhe Hausnummer 124, an der Ecke zur Horner Straße.
Direkt vor dem Bereich, wo sich die Szene abgespielt hat, ist die Bar Tabac, die zum Kino Schauburg gehört. Mitarbeiterin Esther Wietzke kennt solche Situationen seit Jahren aus eigener Anschauung. „Da passiert eigentlich jeden Tag etwas“, sagt sie. Meist seien es parkende Autos, die ungünstig abgestellt seien und von den Bahnfahrern weggebimmelt werden müssten, „manchmal mit Dauerklingeln minutenlang“. Eher selten seien be- oder entladende Lkw das Problem.

„Am Ende standen dort sechs Bahnen“
Eine kuriose Situation konnte auch Anwohnerin Doris Evers am Mittwoch vergangener Woche beobachten. Wieder mal war ein Auto an besagter Stelle so geparkt, dass die Bahn nicht passieren konnte. Weil der Fahrer nicht zu seinem Fahrzeug zurückkam, musste die Bahn längere Zeit dort stehen bleiben. Und nicht nur sie. An der Stelle verkehren die Linien 2, 3 und 10. „Am Ende standen dort sechs oder sieben Bahnen“, sagt Evers.
Andreas Holling, Sprecher der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), sagt, die Stelle sei dem Unternehmen als problematisch bekannt. Holling geht davon aus, dass die Blockade öfter aus fehlender Aufmerksamkeit als mit Absicht geschehe. Dennoch sei sie stets ärgerlich. „Vor allem, weil Verspätungen infolge eines Staus in dem dichten Takt schnell mehrere Bahnen betreffen, und die Folgen selbst nach Ende der Blockade noch eine Zeit lang im Netz spürbar sind.“
So kann es laut Holling passieren, dass selbst Fahrgäste in Walle auf dem Weg in die Stadt davon betroffen sind, weil die Bahnen durch die Blockade zu spät in Gröpelingen ankommen und verspätet zurückfahren. Neben einem Appell zu mehr Umsicht und Aufmerksamkeit helfe letztlich nur die Entfernung des Autos. Im zurückliegenden Fall hatte der Fahrer schließlich selbst dafür gesorgt.
BSAG darf Abschleppen veranlassen
Auch die Polizei sei bei der Parkblockade vom Mittwoch vor Ort gewesen, sagt Evers. Die wiederum verweist zum Thema auf das Innenressort und den frisch geänderten Abschlepperlass. Seit April darf die BSAG selbst das Abschleppen von Fahrzeugen, die im Weg stehen, einleiten. Dazu muss der BSAG-Mitarbeiter ein Foto machen, die Situation schriftlich festhalten und beides an Polizei oder Ordnungsamt übermitteln. Die Beamten ordnen dann sofort die Abschleppung an. „Dadurch können Verkehrsbehinderungen deutlich schneller beseitigt werden“, sagt Karen Stroink aus dem Pressereferat des Innenressorts.
Das bestätigt Andreas Holling. Ihm zufolge habe die BSAG bereits fünf Mal von der neuen Möglichkeit Gebrauch gemacht. Ein Allheilmittel ist sie dennoch nicht, den Bahnstau Vor dem Steintor konnte sie nicht verhindern. Der besagte Bereich wird nach Angaben von Stroink übrigens regelmäßig kontrolliert. Laut der Verkehrsüberwachung sind dort im laufenden Jahr bislang acht Verwarnungen ausgesprochen worden. In keinem der Fälle sei es zu einer Behinderung des Straßenbahnverkehrs gekommen.
Neue Markierung soll kommen
In der Regel wüssten die Menschen im Viertel, wie sie ihr Auto abstellen müssten, um keine Behinderung zu verursachen, sagt Wietzke. Studenten und andere, die neu in der Stadt seien, mitunter nicht. Womöglich könnte eine Markierung helfen. „Wenn ich nicht weiß, dass mein Auto zu weit auf der Straße steht, kann ich nicht darauf achten“, sagt Wietzke. Zudem ist die einst aufgetragene Markierung, die den Gehweg vom Ladebereich trennt, nur noch zu erahnen. Sonst würden womöglich schon von sich aus mehr Autofahrer weiter von der Straße weg parken.
Eine Nachmarkierung dieser alten Markierung solle erfolgen, sagt Jan Geils, Abteilungsleiter beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV). Wegen der Auslastung der ausführenden Firmen allerdings voraussichtlich erst 2027. Auch eine begrenzende Markierung an der Fahrbahnseite sei „vorgesehen und auch angeordnet“. Darüber hinaus sollen die widersprüchlichen Uhrzeiten in Kürze korrigiert werden. Denn während auf dem vorderen Schild zu lesen ist, dass das Laden von 8 bis 18 Uhr erlaubt ist, steht hinten 8 bis 20 Uhr. Letztere Zeiten seien richtig, sagt Geils, und gingen auf eine Änderung von 2015 zurück.
Dass der Bereich eigentlich nur zum Be- und Entladen und nicht zum Parken gedacht ist, scheint nicht jeden zu stören. Hinter dem Opel Meriva steht schon mehr als eine halbe Stunde lang ein schwarzer BMW M5. Auch hier bewegt sich weder etwas rein noch raus, der Fahrer ist nicht zu sehen. Als er schließlich irgendwann zu seinem Auto zurückkehrt, sagt er, er habe geladen. Darauf angesprochen, dass sich in der vergangenen halben Stunde an seinem Fahrzeug nichts bewegt habe, sagt er: „Manchmal braucht man etwas Zeit.“ Immerhin: Das Auto steht so, dass die Bahn vorbeikommt.


