Weserkurier vom 17.09.26
Stadtteilspaziergang in Arsten
Wo Bordsteine zur Gefahr werden
Wie ein Spaziergang durch Arsten kritische Stellen für mobilitätseingeschränkte Bürger sichtbar macht

Jugend und Gesundheit: zwei Privilegien, welche die Mehrheit der Menschen für eine lange Zeit in ihrem Leben als selbstverständlich ansehen. Aber je mehr Geburtstage man feiert, desto deutlicher wird, dass beide Zustände mit der Zeit schwinden können. Alltägliche Situationen gestalten sich durch typische Alterserscheinungen, Schicksalsschläge oder Krankheiten als schwierig. Wenn die Mobilität schwindet, geht mit ihr auch ein Großteil des selbstbestimmten Lebens verloren. Außerdem gestalten sich vermeintlich normale Alltagsbegebenheiten als gefährlich: so zum Beispiel ein Spaziergang durch den Stadtteil oder der Weg zum Supermarkt. Genau diesem Problem möchte sich die Arbeitsgruppe „Mobilität des sozialen Arbeitskreises Obervieland“ widmen.

Nach ihrem Auftaktspaziergang in Kattenturm im vergangenen Jahr hat sie nun zu einem Stadtteilspaziergang für ältere und bewegungseingeschränkte Menschen in Arsten eingeladen. Los ging es für die insgesamt zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Begleitung von Ortsamtsleiter Michael Radolla ab dem Bürgerhaus Obervieland. Mit dabei waren auch Stefan Markus, Leiter und Geschäftsführer des Bürgerhauses , und Pauline Lindhoff, Leiterin des Dienstleistungszentrums Obervieland, um die Erfahrungen der Teilnehmer zu sammeln. Diese sollen beim Verkehrsausschuss vorgestellt werden. Fokus des Spaziergangs waren nämlich nicht das Miteinander und die Bewegung, sondern das Aufzeigen von Barrieren im öffentlichen Raum.
Klagen über Höhenunterschiede
„Das kann keiner nachempfinden, der nicht davon betroffen ist“, sagt Gisela Schoon. Die 85-Jährige hat sich dem Stadtteilspaziergang mit ihrem Rollator angeschlossen. Schon zu Beginn, auf dem Bürgersteig vor dem Bürgerhaus, findet sie sich in der ersten Gefahrensituation wieder: Fußweg und Radweg haben unterschiedliche Höhen, wodurch eine Kante entsteht, die für bewegungseingeschränkte Personen zu einer Stolperfalle werden kann. „Ich bin allein, und wenn man dann zum Fallen kommt. Das ist furchtbar“, fügt sie hinzu.
„Ich bin schon so oft gestolpert“, ergänzt die 92-Jährige Margarete Ekhardt. „Bordsteinkanten haben es auch in sich. Da war die letzte Landung von mir“, erzählt sie beim Überqueren der Ampel an der Kreuzung Alfred-Faust-Straße/Brenningstraße. „Beim Radweg haben sie den Bordstein runter gemacht, aber bei uns ist eine Kante. Das ist Unsinn“, pflichtet ihr ein Teilnehmender im Rollstuhl bei. Weil die Bordsteinkanten an diversen Ampeln derart hoch seien, so berichten die Seniorinnen und Senioren, müssten sie häufig auf den Radweg ausweichen. Das führe zu weiteren Gefahrensituationen.


