Individualverkehr und Tempolimits- eine kleine Geschichte

Rennmaus
schnelles Fahren macht nicht nur Menschen Spaß

Die ersten motorisierten Fahrzeuge kamen ab 1880 auf den Markt. Allerdings nur für einige auserwählte gut betuchte Personenkreise. Sie fuhren damals noch mit Dampfantrieb. Teilweise bereits elektrisch, jedoch nur kurze Entfernungen. Die große Entwicklung fand durch Carl Benz im Jahr 1886 mit dem ersten praktischen Motorwagen, genauer dem „Benz Patent-Motorwagen“ statt. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich der Individualverkehr in einem rasanten Tempo.

Fahrzeuganzahl 1950  2,7 Millionen KFZ davon 0,7 Millionen PKW,

1 PKW pro 1000 Einwohner

10 bis 40 PS, durchschnittliche Reisegeschwindigkeit um 50 km/h

 

Fahrzeuganzahl 2024  69,1 Millionen KFZ davon 49,1 Millionen PKW,

590 PKW pro 1000 Einwohner

135 bis 140 PS, durchschnittliche Reisegeschwindigkeit 113,5 km/h

Während laut Statistischem Bundesamt um 1950 „nur“ 2,7 Millionen Kraftfahrzeuge, davon 700 000 PKW in Deutschland existierten, ist mittlerweile der Bestand im Jahr 2024 auf über 69 Millionen Kraftfahrzeuge, davon über 49 Millionen PKW, explodiert.

Ein siebzigfacher Anstieg! Damals kam ein PKW auf 1000 Einwohner in Deutschland. Heutzutage sind es 590 PKWs auf 1000 Einwohner gerechnet.

Früher, um 1950, besaßen die Fahrzeuge durchschnittlich 10 bis 40 PS und die Reisegeschwindigkeit betrug im Mittel 40 bis 60 Km/h. Im schnellfahrenden Deutschland besitzt das Auto mittlerweile im Durchschnitt 140 PS und man rast mit über 100 Km/h durch das Land.

schnelles Fahren

Tempolimits- warum wurden sie eingeführt

 

Wie bereits beschrieben fuhren früher nur wenige Automobile überaus schnell- durch immer mehr PS Stärken und moderner Technologie konnte immer schneller und schneller gefahren werden.

Dadurch fanden viele Menschenleben ein noch schnelleres Lebensende. Im Jahre 1905 wurde durch die k.u.k. Fahrverordnung ein erstes generelles Tempolimit eingeführt: Tempo 15 km/h innerorts– so schnell wie eine ein trabendes Pferd (ein PS). 1923 wurde die Geschwindigkeit innerorts verdoppelt und auf Tempo 30 angehoben. Die höheren Behörden hatten die Möglichkeit es noch weiter zu erhöhen. Ab 1934 wurden die meisten Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgehoben, jedoch 1939 wurde auf Tempo 60 innerorts und auf 100 km/h außerorts die Raserei begrenzt.

Ab 1953 durfte so schnell gefahren werden wie gewünscht- auch im Ortsgebiet. „Wegen der so verursachten Dezimierung des Bürgerstands wird 1957 aber doch wieder ein 50-km/h-Limit eingeführt.“ (Die Presse)

1957 kam es letztendlich zu der bis heute bestehenden Einführung von Tempo 50 in der BRD. Bei damals einen PKW auf 1000 Einwohner. Seitdem hat sich der Fahrzeugbestand enorm erhöht.

Somit haben wir bei uns in Deutschland seit fast 70 Jahren durchgehend, zumindest in den meisten Städten, dieselbe Maximalgeschwindigkeit mit zahlreichen unnötigen Unfällen und Toten. Auch wenn es rechtlich möglich ist Tempo 30 auszuweisen, blockieren die Behörden immer noch. Sehen Sie bitte dazu den Beitrag über Tempo 30 vor unserer Grundschule.

 

Weshalb möchten Menschen schnell fahren?

Schnelles Fahren setzt das Belohnungssystem in unserem Körper in Gang. Es werden Hormone wie Adrenalin, Dopamin und Endocannabinoide ausgeschüttet. Die Menschen haben dabei das Gefühl frei zu sein, können Kontrolle ausüben, es macht sich Aufregung und Lebendigkeit breit. Es entsteht ein Art Rauschzustand. Wahrscheinlich ist es tief in unserer Psyche, in unserer Evolution, verankert. Man musste früher sehr schnell sein, sehr schnell rennen können, um den sicheren Tod durch Raubtiere zu entgehen. Vielleicht spielt dies eine Rolle bei den schnell fahrenden Personenkreisen, die noch von uralten Schaltkreisen im Gehirn belohnt werden.

Professor Bernhard Schlag, Verkehrspsychologe der TU Dresden, meint dazu folgendes: „Besonders bei jungen Männern ist der Regler im Hirn auf Tempo eingestellt“. Und wenn diese Freiheiten plötzlich eingeschränkt werden, ist man in der Alphaposition unterdrückt. Das wirkt sich wiederum negativ auf die Selbstwahrnehmung aus.

Natürlich spielt die Autolobby keine geringe Rolle bei Beibehaltung der Geschwindigkeitszustände von 1950.

 

Andere Länder machen es besser- Tempo 30 rettet Menschenleben

 

In über 160 Städten in vielen Ländern Europas wurde in großem Umfang Tempo 30 eingeführt. Genaue Details dazu finden Sie unter diesem Link:

http://de.30kmh.eu/warum-30-kmh/trendsetter-staedte-fuer-30-kmh/de-trendsetter-staedte-fuer-30-kmh-in-deutschland/

Laut der Rundfunkanstalt Yle hat es in Helsinki seit über einem Jahr (Juli 2024 bis Juli 2025) keinen Verkehrstoten mehr gegeben. Und das in einer Stadt mit über 690 000 Einwohnern. Helsinki zählt zu einer der größten Städte, die so etwas vollbracht hat. Bewundernswert und nachahmenswert!

Natürlich darf nicht vergessen werden alleine Tempo 30 auszuweisen reicht nicht aus, es muss auch kontrolliert werden.

Der Drang der Menschen doch schneller als erlaubt durch das Leben zu rasen, muss von mehreren Seiten gebremst werden.

Tempe 30 ist der Trend unserer Zeit

Städte wie Brüssel, Paris, Bologna, in denen im ganzen Stadtgebiet Tempo 30 gilt und andere Städte wie Amsterdam, Edinburgh oder Lyon die immerhin über 80 Prozent des Straßennetzes begrenzt haben.

 

Wie kam es zu Tempo 30?

 

Die Initiative ging wie Sie wahrscheinlich richtig vermuten, nicht von Behördenvertretern aus.

Wegen vielen tödlich verunglückten Kindern in Wohngebieten kam es aufgrund der Forderung von Bürgerinitiativen im Jahr 1970 zu mehreren Ausweisungen von Tempo 30 in deutschen Städten. Der Druck von Bürgerinnen und Bürgern schaffte die Grundlage von Tempo 30 zur Sicherheitserhöhung der Fußgänger in unseren Städten.

Seitdem hat sich nicht viel geändert. In einigen Städten benötigt es immer noch aktive Bewohner, die sich für Tempo 30 jahrelang einsetzen und dranbleiben.

Deshalb unsere Aufforderung- es macht Sinn sich für eine Sache einzusetzen- sich aktiv zu beteiligen- alle Bürgerinnen und Bürger können gemeinsam ganz viel zum Positiven verändern.

Sie müssen es nur wollen und aktiv  mitgestalten.

Deshalb kontaktieren Sie uns- am besten gleich noch heute unter NSV@fuss-ev.de

18.01.26