Doppelt so viele Fußgänger-Unfälle bei Grün wie bei Fußgänger-Rot

FUSS e.V. begrüßt den Vorstoß der Berliner SPD, grüne Ampelphasen für Fußgänger und Radfahrer von denen für abbiegende Autos zu trennen. „Ampeln sollen der Sicherheit dienen, aber ausgerechnet sie gehören zu den gefährlichsten Orten im Berliner Straßenverkehr“, sagt Sprecher Roland Stimpel. Der Fachverband für Fußverkehr verweist auf die Berliner Unfallstatistik für 2017, die als Ursache für 488 Unfälle „falsches Verhalten von Fahrzeugführern an Fußgängerfurten“ nennt. Fußgängerfurten sind die Flächen, auf denen man zwischen gestrichelten Linien an der Ampel über die Fahrbahn laufen soll. Das „falsche Verhalten“ bedeutet in seltenen Fällen Fahren bei Rot. Meist bedeutet es: Hier ist ein Fahrer bei Grün abgebogen und hat den Vorrang der Fußgänger missachtet, die ebenfalls Grün hatten.

Zum Vergleich: Die Statistik 2017 verzeichnet nur für 189 Unfälle „falsches Verhalten von Fußgängern“ an Ampeln – im Klartext: Gehen bei Rot. Fußgänger in Berlin werden also mehr als doppelt so oft bei Grün angefahren wie bei illegalem Rotgehen. Berlins Ampelschaltungen sind sicherheitstechnisch geradezu pervers. Sie sollen allein den Auto-Durchfluss maximieren – auf Kosten der Gesundheit und Unversehrtheit vieler Menschen in der Stadt.

„Auch für Autofahrer ist das Ampelsystem eine Zumutung“, sagt Stimpel. Viele sind an komplexen, unübersichtlichen Kreuzungen schlicht überfordert. „Die  Unfallverursacher sitzen nicht nur hinterm Steuer. Sie sitzen auch an den Regelungs-Computern der Verkehrsleitzentrale.“

Der Fachverband fordert für Ampeln:

  • Wo immer Gefahren für Fußgänger durch Abbieger drohen oder bereits nachgewiesen sind, getrennte Schaltungen.
  • Ausreichend lange Grünphasen. Es gibt heute viele Ampeln, die nur mit mehr als zehn Stundenkilometern Lauftempo bei Grün überquert werden könnten. Das ist doppelt so schnell wie gesunde erwachsene Fußgänger und dreimal so schnell wie viele Senioren laufen.
  • Grüne Welle ohne Warten auf Mittelinseln, das bei Gedrängel lebensgefährlich sein kann.
  • Warten auf Grün deutlich unter einer Minute. Bei den heutigen Schaltungen nehmen Fußgänger teils an, ihre Ampel sei kaputt und auf Dauer-Rot. Das provoziert gefährliche Situationen.
  • Abschaffung der Grünpfeile aus Blech für rechtsabbiegende Autos. Die meisten hängen entgegen den Verwaltungsvorschriften. Und die meisten Autofahrer verhalten sich illegal – sie halten nicht vor der Furt an, sondern fahren bei Rot durch, auch wenn Fußgänger grün haben.
  • Möglichst oft „Rundum-Grün“ nach dem Vorbild der Kreuzung Kochstraße/Friedrichstraße. So funktionieren die größten Kreuzungen der Welt, zum Beispiel der Oxford Circus in London. 80.000 Fußgänger täglich überqueren ihn – bei Grün in alle Richtungen zugleich und unfallfrei.

Kontakt: FUSS e.V., Roland Stimpel, Tel. 0163 – 1833 508, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!