Deutschlands größte Mobilitätsstudie zeigt die führende Bedeutung des Fußverkehrs

In Deutschlands größten Städten legen die Menschen mehr Wege zu Fuß zurück als hinterm Steuer. Und sie tun das gern: Die in Umfragen bekundete Freude am Laufen ist größer als unter den Benutzern von Autos, Fahrräder, Bussen und Bahnen die Freude am Fahren. Das sind Ergebnisse von Deutschlands soeben publizierter größter aktueller Mobilitätsstudie, beauftragt vom Bundes-Verkehrsministerium. Der FUSS e.V., Fachverband Fußverkehr Deutschland, fordert Konsequenzen aus der Studie: „Breitere Gehwege ohne Fahrräder und parkende Autos, sichere Übergänge, fußgängerfreundliche Ampeln ohne ewiges Rot“.

Für die Studie „Mobilität in Deutschland“ hat das Infas-Institut fast eine Million Wege von mehr als 300.000 Menschen analysiert. Die Wege sind nach Bundesländern aufgeschlüsselt. In Berlin und Hamburg, den größten Städten und zugleich Stadtstaaten, bewältigen Fußgänger jeweils 27 Prozent aller Wege. Die Fahrer von Autos und Motorrädern liegen dahinter mit 23 Prozent in Berlin und 26 Prozent in Hamburg. Bundesweit die meisten Fußgänger gibt es unter ganz Jungen und Alten, Menschen mit geringem Einkommen und ohne eigenes Auto. Unter den Befragten mit laut Infas „sehr niedrigem Einkommen“ gehen pro Stichtag 28 Prozent zu Fuß, unter denen mit hohem Einkommen nur 19 Prozent. Unter Kindern und Senioren liefen bis zu 35 Prozent am Stichtag außer Haus; unter den 40- bis 49-jährigen nicht einmal halb so viele – nur 17 Prozent. Dazu  der FUSS e.V.: „Das Gehen hat auch eine große soziale Bedeutung. Es sichert die Basismobilität der Menschen mit weniger Geld und gehört nicht zuletzt gefördert, um soziale Nachteile auszugleichen.“

Einen Vorsprung haben Gehende bei der Zuneigung zu ihrem körpereigenen Verkehrsmittel. Infas fragte in acht Altersgruppen: „Gehen Sie gern zu Fuß?“ und „Fahren Sie gern Auto, Rad, Bus oder Bahn?“ In sechs der acht Gruppen war der Anteil der gern Gehenden am höchsten. Das Auto kam auf Rang 2; Fahrrad und öffentlicher Verkehr liegen mit weitem Abstand dahinter.

Aus den Daten folgert der FUSS e.V.: „Die Studie zeigt, dass das Gehen von Verkehrsplanern und in der öffentlichen Diskussion immer wieder unterschätzt wird. Dabei ist es gerade in großen Städten die beliebteste und beste Verkehrsform. Es schont die Umwelt, spart Platz, gefährdet keinen anderen, ist gesund und kostet am wenigsten.“

Doch der Fachverband mahnt: „Fürs Gehen muss mehr getan werden. Autos und Fahrräder müssen runter vom Bürgersteig. Wir brauchen viel mehr Zebrasteifen und andere Möglichkeiten, an denen man Fahrbahnen sicher und leicht überqueren kann. 483 getötete und 30.564 verletzte Fußgänger im vorigen Jahr sind ein gesellschaftlicher Skandal.“ FUSS e.V. fordert Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Ortschaften. „Das kommt letztlich allen zugute. Auch wer oft Auto, Bus, Bahn oder Fahrrad fährt oder wer im Rollstuhl sitzt, ist zeitweise auf dem Gehweg unterwegs und profitiert von sicheren Übergängen.“

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Die soeben erschienene Kurzfassung der Studie finden Sie unter
www.mobilitaet-in-deutschland.de/publikationen2017.html

Im  bundesweiten Fachverband FUSS e.V. arbeiten Engagierte und Experten aus Stadt- und Verkehrsplanung, Kommunen, Hochschulen und Bürgergruppen www.fuss-ev.de

Kontakt und Rückfragen: Dipl.-Ing. Roland Stimpel, Pressesprecher, Tel. 0163 – 1833 508