Pressemitteilungen

Am 10. Juli 2018 startete der Bundesverkehrsminister im Rahmen einer Tagung die „Aktion Abbiegeassistent“. Fuss e.V. war im Ministerium dabei. Einige Aspekte blieben angesichts der diversen technischen Möglichkeiten der Assistenzsysteme nach Ansicht der Fußgängerlobby unberücksichtigt. Die folgenden Maßnahmen würden die Verkehrssicherheit nicht nur bei Rechtsabbiegemanövern von Lkw steigern:

  • Fußgänger und Fußgängerinnen sollten früher als die Kraftfahrzeuge Grün an Ampeln erhalten. Dann sind sie bereits auf der Fahrbahn und gut sichtbar, wenn die Lkw beginnen abzubiegen.
  • Vielen Menschen sind die Vorfahrts- bzw. Vortrittsregeln gerade beim Abbiegen unklar oder unbekannt. Kampagnen und eine Änderung der StVO könnten das beheben.
  • An Kreuzungen sollten sogenannte „freie Rechtsabbieger“ und fahrdynamisch optimierte Kurven im Sinne der Verkehrssicherheit - also entschleunigend - umgebaut werden.

„Diese Maßnahmen wirken auch bei Reizüberflutung der Lkw-Fahrer durch optische und akustische Signale des Abbiegeassistenten. Und gerade auch bei den Fahrern, die vielleicht meinen, dass sie dank der Sicherheitstechnik riskanter fahren könnten“ kommentiert Stefan Lieb, Geschäftsführer des Fachverbandes Fuss e.V.

 

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 11. Juli 2018

 

Fußgänger-Lobbyisten verbreiten millionenfach Aufkleber, um sie Falschparkern auf die Windschutzscheibe zu kleben. Brachial-Pädagogik? Selbstjustiz? Sachbeschädigung? Stefan Lieb vom Verein Fuss e.V. sieht es als Notwehr.

? Ein Auto steht auf dem Gehweg, und Sie kleben einen Aufkleber auf die Scheibe, der mahnt: Parke nicht auf unseren Wegen. Sind Sie ein einsamer Rächer der Fußgänger?

! Weder Rächer noch einsam. Wir haben gerade den zweimillionsten Aufkleber verkauft. Er wird zunehmend gefragt, weil es immer mehr Menschen stört, wenn sie sich auf einem von Blech verengten Gehweg drängeln oder wenn sie gar auf die Fahrbahn ausweichen und sich gefährden müssen, weil sie mit ihrem Kinderwagen oder ihrem Rollstuhl nicht weiterkommt. Radfahrer verwenden den Aufkleber übrigens auch.

? Maßen Sie sich den Job von Polizei und Ordnungsamt an?

! Wenn die ihren Job machen könnten und wollten, wäre alles gut. Aber teils sind sie überfordert, teils gehen sie nur lasch gegen das Parken auf Bürgersteigen vor. Viele Städte dulden es zum Beispiel, wenn noch 1,20 Meter zwischen Auto und Hauskante bleiben.

? Passt man da nicht durch?

! Mit Kind an der Hand oder mit Gepäck kaum noch. Und schon gar nicht zu zweit aneinander vorbei. Es ist dreist bis gefährlich.

? Und mit dem Aufkleber lässt man Dampf ab?

! Man appelliert an Regeln und Rücksicht. Das ist übrigens nicht nur Einzelpersonen ein Anliegen. Auch Stadtverwaltungen und Firmen haben schon Aufkleber bestellt, sogar Leute aus einem Autokonzern. Am meisten Bestellungen kommen übrigens aus Hamburg, das ja für seine guten Umgangsformen bekannt ist.

Manchen Autofahrern erscheint das wohl nicht als Appell, sondern als ziemlich übergriffig. Sagen die nicht „jetzt erst recht“?

! Es mag Trotzköpfe geben. Die Erfahrung zeigt aber, dass es nach regelmäßigem Kleben in einer Straße deutlich weniger Gehweg-Parker gibt.

? Und wenn Sie stattdessen mit Anzeigen Druck bei der Stadt machen? Einige haben ja sogar Apps, auf denen man solche Verstöße melden kann.

! Manche Apps haben ein Signal für „bearbeitet/abgeschlossen“. Da wird offenkundig, dass viele Anzeigen gar nicht bearbeitet werden. Bei anderen scheitert es an angeblich fehlenden Beweisen. Wer geht schon mit einem Zollstock durch die Stadt und misst den Abstand zwischen Stoßstange und Hauswand?

? Also mahnen Sie mit dem Aufkleber pädagogisch „du, du“. Und das unter Erwachsenen.

! Nicht bei Leuten, die sich erwachsen verhalten. Wenn einer das nicht tut, darf man ihn doch bitten, dass zu ändern. Ob er nun in der Bahn zu laut ist oder mit dem Auto falsch parkt.

? Was Sie als „Bitte“ bezeichnen, sehen andere als Akt der Selbstjustiz.

! Der Aufkleber ist keine Strafe, sondern ein Hinweis: Du stehst anderen im Weg und störst.

? Ein ganz schön massiver Hinweis, der auf der Windschutzscheibe festklebt.

! Unsere Aufkleber funktionieren nur mit Anfeuchten, sie sind nicht selbstklebend. Man bekommt sie leicht und rückstandsfrei ab – und wenn ein Fetzen bleibt, ist er spätestens nach dem nächsten Regen weg.

? Trotzdem: Ist das nicht Sachbeschädigung?

! Das sehen der Bundesgerichtshof und das Berliner Kammergericht nicht so. Der Sachbeschädigungs-Paragraf wurde übrigens zuletzt 2005 geändert. Danach liegt Sachbeschädigung vor, wenn eine Sache „nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert“ wird. Beides schafft unser Aufkleber nicht. A propos Sachbeschädigung: Gehwege sind nicht für Autos ausgelegt, und selbst wo man auf ihrem Rand parken darf, gilt das nur für Autos bis 2,8 Tonnen. Wer seinen SUV auf den Gehweg wuchtet, der beschädigt öffentliches Gut.

? Was müssten die Behörden tun, damit Sie Windschutzscheiben verschonen?

! Falschparken konsequent ahnden – und zwar schärfer als heute. Parken mit Behinderung kostet in Deutschland nur 25 Euro, nicht einmal halb so viel wie Schwarzfahren im Bus. Es gibt europäische Länder mit Strafen über 100 Euro, da wird längst nicht so dreist geparkt. Da müssen auch wir hin.

? Aber bis es so weit ist, kleben Sie mit Lust?

! Den wenigsten Betroffenen macht es Spaß, sich mit Platzraub auf dem Gehweg herumzuschlagen.

 

Stefan Lieb ist Geschäftsführer des Vereins Fuss e.V. in Berlin, der das Gehen fördern will. Interview: Roland Stimpel.

 

Pressemitteilung von FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland vom 1. Juni 2018
Meldung mit 4.180 Zeichen

Das Gespräch kann frei verwendet werden. Textänderungen und Sinn verändernde Kürzungen sind mit dem Fuss e.V. abzustimmen.

 

Ein Bild des Aufklebers gibt es zur freien Verwendung

Zu einem Beitrag Ist das Kleben von “Parke nicht”-Aufklebern auf Kfz strafbar? kommen Sie hier

Maßnahmenvorschlag „Kostenloser Nahverkehr“ auf die Füße stellen

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FUSS e.V. begrüßt jede Anstrengung der Bundesregierung, Lebensqualität und Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger zu erhöhen. Die Ergebnisse internationaler Projekte zum kostenfreien Nahverkehr zeigen jedoch u.a., dass vor allem Menschen in Bus und Bahn steigen, die zuvor zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Diese zusätzlichen Fahrgäste würden zwar Busse und Bahnen mehr als auslasten, brächten jedoch keine Senkung der Luftschadstoffbelastung.

Hier möchte FUSS e.V. ansetzen. Jeder Einzelne fällt seine individuellen Mobilitätsentscheidungen vor dem Hintergrund einer Vielzahl von Faktoren. Wir prognostizieren einen weiterhin bedeutenden Anteil des Fußverkehrs wenn:

  • die Gehwege intakt sind,
  • kein illegales Parken auf Gehwegen geduldet wird,
  • Zufußgehende bei Interaktionen mit anderen Verkehrsteilnehmer/innen nicht bedroht oder gefährdet werden und
  • nicht zu Letzt auch an Bänke und Bäume entlang der Wegeachsen gedacht wird.

Wer viele alltägliche Wege zu Fuß zurücklegen kann, stärkt Gesundheit und Wohlbefinden, ist „unter Leuten“ und gewinnt individuelle Zeit – diese weiteren positiven Aspekte des Zufußgehens sollten stärker kommuniziert werden. Sylke Petry, im Vorstand von FUSS e.V.: „Stimmen die infrastrukturellen, verkehrsorganisatorischen und informellen Randbedingungen, werden sich Viele dafür entscheiden, Wege zu Fuß zu genießen.“ Schließlich zeigen Untersuchungen und Modellprojekt: Wer aus dem Auto in der Stadt aussteigt und ein anderes Verkehrsmittel wählt, der nutzt in über der Hälfte der Fälle die eigenen Füße.

 

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Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 14. Februar 2018

 

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Deutschlands Fachverband für Fußverkehr FUSS e.V. begrüßt das heutige Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten. Bundesgeschäftsführer Stefan Lieb: „Das kann sich als guter Tag für die Mehrheit der Verkehrsteilnehmer herausstellen. In Deutschlands Städten verbringen die Menschen mehr Zeit im Verkehr auf den Beinen als hinterm Steuer. Es ist höchste Zeit, dass die größte und umweltschonendste Gruppe der Verkehrsteilnehmer endlich wirksam vor Vergiftung geschützt wird.“

Lieb verweist auf wissenschaftliche Studien, nach denen jährlich 7.000 bis 10.000 Menschen in Deutschland an Krankheiten sterben, die durch Feinstaub aus Auspuffen hervorgerufen werden. „Das sind zwei- bis dreimal so viele Feinstaub- wie Unfallopfer.“ Und oft trifft es gerade die Schwächsten im Verkehr: Kinder, Alte und Ärmere legen den relativ größten Teil ihrer Wege zu Fuß zurück.

FUSS e.V. nimmt auch zu den Folgen der Kapitalvernichtung Stellung, die Fahrverbote für die Eigentümer von Dieselautos bedeuten können. „Das entwertet zwar einerseits viel Fahrzeug-Kapital“, sagt Stefan Lieb. „Doch wesentlich wichtiger ist, dass mit der Atemluft ein lebenswichtiges Kapital für uns alle erhalten und wieder aufgewertet wird.“ - Und selbstverständlich müssen die Hersteller die Umrüstung leisten und finanzieren./p>

 

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Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 27. Februar 2018

 

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Viele Politiker/innen und die derzeitige Bundesregierung glauben, dass auf Bundesebene kaum etwas für die Sicherheit und den Komfort des Fußverkehrs getan werden kann. Zum Glück irren sie sich. Fuss e.V. schrieb vor den Bundestagswahlen Abgeordnete und Fraktionen an und fragte sie nach ihrer Meinung zu sieben pragmatischen Vorschlägen. Drei davon möchte Fuss hier kurz vorstellen, ihre Umsetzung würde das Gehen in den Kommunen erleichtern und sicherer machen:

Die Fahrbahn queren

Die generelle Anweisung in der StVO, dass Fußgängerinnen und Fußgänger Fahrbahnen „zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung" zu überschreiten haben „und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder Einmündungen“ ist nicht mehr zeitgemäß. Sie wird in der Praxis mittlerweile zu einer nicht erforderlichen Einschränkung, zum Beispiel in verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen sowie in Tempo-30-Zonen. Insbesondere angesichts des demografischen Wandels sendet der Begriff „zügig“ an Autofahrer eine falsche Botschaft, ältere Menschen brauchen nun mal oft mehr Zeit zum Queren der Fahrbahn. Um das Satzungetüm in der derzeitigen StVO auf das Wesentliche und damit Verständliche zu reduzieren, schlägt Fuss e.V. folgende Formulierung vor: „Wer zu Fuß geht, hat Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zu queren“.

An Kreuzungen ist die Situation noch unübersichtlicher: „Hand aufs Herz, kaum ein Autofahrer und nur wenige Fußgänger sind doch wirklich sattelfest bei der Frage, wann Autofahrer beim Abbiegen den querenden Fußgängern Vorrang gewähren und warten müssen“, hat Stefan Lieb, Geschäftsführer von Fuss e.V., beobachtet. Da nur die Regeln wirksam sein können, die eindeutig sind, schlägt der Verein eine klare Formulierung für § 25 Absatz 3 der StVO vor: „An Kreuzungen und Einmündungen haben Fußgänger beim Queren der Fahrbahn Vorrang gegenüber abbiegenden Fahrzeugen.“ Diese Formulierung würde auch Autofahrern das Leben erleichtern und ihren Stress mindern.

Ortsdurchfahrten zu innerstädtischen Straßen machen

Kommunen können bei der Gestaltung von Ortsdurchfahrten oft nicht mitreden, besonders wenn Bund, Land oder Kreis Baulastträger sind. So hat z.B. der Bund die Regelbreite von Gehwegen an Bundesstraßen in seinen Richtlinien für Ortsdurchfahrten auf 1,50 Meter festgelegt. Wenn Kommunen breitere Gehwege anlegen wollen, müssen sie die Differenz selbst bezahlen, wozu viele Gemeinden nicht in der Lage sind. „Das ist ein Maß, das teilweise noch im letzten Jahrhundert galt, aber nicht mehr dem heutigen Stand der Verkehrsplanung entspricht“, kommentiert Stefan Lieb, „wenn alle bundesweiten Regelwerke breitere Gehwege vorsehen, müssen diese Standards auch auf allen Straßen innerhalb geschlossener Ortschaften zur Anwendung kommen, damit überholtes Wissen nicht mehr in Beton gegossen wird“. Die Bundesregierung müsse deshalb ihre Regelungen für Bundesstraßen den gültigen Standards anpassen.

 

Direkt-Link zu den sieben Vorschlägen von FUSS e.V.

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 18. August 2017