Der Abschlussbericht zum Fußverkehrs-Check in Offenburg liegt endlich vor.
Und er ist deutlich.
Er zeigt, was viele längst wissen:
Unsere Stadt ist nicht auf den Fußverkehr ausgelegt – obwohl genau dieser die Grundlage aller Mobilität ist.
Doch was jetzt folgt, ist ernüchternd.
Ein umfassender Bericht – mit klaren Lösungen
Der Fußverkehrs-Check hat nicht nur Probleme benannt, sondern auch konkrete Maßnahmen aufgezeigt:
- sichere Querungen und bessere Zebrastreifen
- breitere und nutzbare Gehwege
- Multifunktionsflächen statt zugestellter Wege
- Schulstraßen für mehr Sicherheit
- klare Schulwegmarkierungen
- Sensibilisierung und Kommunikation
- mehr Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum
Das ist kein Wunschkonzert.
Das ist ein praxisnaher Werkzeugkasten für eine sichere und lebenswerte Stadt.
Und was macht die Verwaltung daraus?
Aus dieser Vielzahl an Vorschlägen wird politisch genau ein Punkt herausgegriffen:
👉 ein Konzept zum Gehwegparken
Mehr nicht.
Das Problem: Reduktion statt Umsetzung
Ja, Gehwegparken ist ein Problem.
Ein großes sogar.
Aber:
Es ist nur ein Teil des Ganzen.
Der Fußverkehrs-Check war ein breit angelegter Prozess mit Bürger:innen, Schulen und Fachleuten.
Er hat viele Aspekte sichtbar gemacht – gerade auch die Situation von Kindern, älteren Menschen und mobilitätseingeschränkten Personen.
Dass all das nun auf das Thema Parken reduziert wird, ist kein Versehen.
Es ist eine politische Entscheidung.
Was dabei unter den Tisch fällt
Während ein Parkkonzept erarbeitet werden soll, verschwinden andere zentrale Themen in Formulierungen wie:
- „schrittweise Umsetzung“
- „Daueraufgabe“
- „wird geprüft“
Das klingt nach Aktivität – ist aber vor allem eins:
eine Vertagung auf unbestimmte Zeit.
Besonders bitter: die Schulwege
Der Fußverkehrs-Check hat die Oststadt bewusst gewählt – wegen der vielen Schulen.
Kinder gehören zu den verletzlichsten Verkehrsteilnehmern.
Ihre Sicherheit müsste oberste Priorität haben.
Und was passiert?
- Schulstraßen: „wird geprüft“
- Schulwegmarkierungen: „Daueraufgabe“
- Sensibilisierung: „Daueraufgabe“
Das ist zu wenig.
Ein bekanntes Muster
Was wir hier sehen, ist kein Einzelfall.
Ein umfassender Beteiligungsprozess wird durchgeführt.
Die Ergebnisse sind klar.
Die Maßnahmen liegen auf dem Tisch.
Und dann passiert das:
👉 Man nimmt den politisch am wenigsten konfliktträchtigen Punkt
👉 und lässt den Rest liegen
Warum das nicht reicht
Ein Konzept zum Gehwegparken allein wird Offenburg nicht verändern.
Sicherer Fußverkehr entsteht erst, wenn:
- Gehwege wirklich nutzbar sind
- Querungen sicher gestaltet werden
- Straßenräume neu verteilt werden
- Kinder sich selbstständig bewegen können
Das alles steht im Bericht.
Und das alles wird aktuell nicht umgesetzt.
Wir sagen klar: Das ist zu wenig
Wir begrüßen, dass das Thema Gehwegparken angegangen wird.
Aber wir akzeptieren nicht,
dass der Fußverkehrs-Check auf diesen einen Aspekt reduziert wird.
Der Bericht ist eine Aufforderung zum Handeln –
nicht zur selektiven Umsetzung.
Unsere Forderung
Die Stadt Offenburg muss:
- die Maßnahmen des Fußverkehrs-Checks vollständig priorisieren
- konkrete Umsetzungspläne für alle zentralen Handlungsfelder vorlegen
- insbesondere die Sicherheit von Schulwegen sofort verbessern
- und den öffentlichen Raum endlich gerecht verteilen
Denn die Wahrheit ist einfach
Der Platz ist da.
Die Erkenntnisse sind da.
Die Lösungen sind da.
Was fehlt, ist der Wille, sie umzusetzen