Dresden, Alaunstraße: Ein Szeneviertel, in dem Flanieren unmöglich ist

Nicht Fahrbahnen und Gleise, sondern Gehwege sind die Basis aller Verkehrsnetze. Sie führen an jedes Haus, sind ohne Fahr- oder Führerschein und ohne Gerät für alle da. Auch wer fährt, braucht zur Haltestelle oder zum Parkplatz fast immer ein Stück Gehweg.

Gehwege sind aber auch die am stärksten vernachlässigten und missachteten Verkehrswege. Manchmal fehlen sie ganz. Oft sind sie nicht mehr als schmale Reststreifen – das was zufällig übrig blieb, nachdem alle anderen bedient waren. Häufig waren sie ursprünglich breiter, aber sind angeknabbert durch Parkplätze und Radwege, Lichtmasten und Telekom-Kästen, Kneipentische und Werbeschilder, Haltestellen und Mülltonnen. Radfahrer und Autoparker missbrauchen sie; bei Tiefbauämtern und Schneeräumdiensten stehen sie an letzter Stelle.

Unsere Forderungen: Zehn Gebote für Planung und Regeln

  1. Gehwege sind mindestens 2,50 Meter breit, bei starkem Fußverkehr etwa an Geschäftsstraßen oder viel benutzten Schulwegen breiter. Auf dem 2,50 Meter breiten Streifen wird nichts aufgebaut, hingestellt, abgelegt oder herumgefahren.
  1. Radwege auf bisherigen Gehwegen gibt es nur, wenn 2,50 Meter Gehwegbreite bleiben (auf viel benutzten Straßen mehr) und technisch dafür gesorgt ist, dass Radfahrer nicht den Gehweg missbrauchen.
  1. Gemeinsame Geh- und Radwege oder die Freigabe von Gehwegen zum Radfahren gibt es nur in seltenen Ausnahmen. Wo Radfahren auf der parallelen Fahrbahn zu unsicher wäre, wird das durch Tempolimits oder Radwege geändert.
  1. Gehwege sind so ausgelegt, dass Behinderte sie möglichst selbstständig, sicher und bequem benutzen können. Bordsteine sollten an Überquerungsstellen am besten komplett abgesenkt (für Rollis und Rollatoren) und dabei eindeutig tastbar sein (für Blinde und Sehbehinderte), alternativ 3 cm hoch ausgeführt sein. Blinde und sehbehinderte Menschen brauchen eine durchgängig freigehaltene Orientierungslinie (z.B. Leitelemente, Hauskanten beziehungsweise kontrastreiche und tastbare Bordsteine bzw. Rinnen).
  1. Gehwege sind gut beleuchtet; besonders wichtig ist das an Querungsstellen zur Fahrbahn.
  1. Gehwege sind sauber, rutschsicher auch bei Nässe, nicht aus stark hitzespeicherndem Material und eben. Kopfsteingepflasterte Wege haben einen glatten Gehstreifen für Gehbehinderte, Rollstühle oder Kinderwägen.
  1. Winterdienst auf Gehwegen hat Vorrang - insbesondere an Bushaltestellen, auf Brücken und Treppen.
  1. Auch an Baustellen sind die Wege breit genug und gut ausgeschildert. Beansprucht eine Hausbaustelle Gehwege, dann sind Ersatzwege sicher von der Fahrbahn abzutrennen.
  1. Für Fußgänger gibt es an Baustellen keine größeren Umwege. Sie werden nur in Ausnahmefällen auf die andere Straße geschickt. Führt vorher eine Fußverbindung durch ein größeres Baugebiet, dann ist dies möglichst provisorisch beizubehalten.
  1. Auch an Haltestellen hat der Fußverkehr genügend Raum. Wartehäuschen und -flächen werden im Regelfall auf der bisherigen Fahrbahn oder auf Grundstücken hinter dem Gehweg angelegt.

Mehr Info:

Wo es Gehwege geben muss

Gehweg-Breite: Nach Richtlinien 2,50 Meter

Barrierefreiheit von Gehwegen

Bordsteine an Fahr- und Parkstreifen

Parken verhindern, Zufahrten gestalten

Fahrräder abstellen: Wer schiebt, darf auch parken

Sehr detaillierte Informationen zum Verkehrsrecht und zum Planungsgrundlagen finden Sie auf unserer Schwesterseite www.geh-recht.de.