Pendlerstrecke über den Friedhof?

Bauarbeiten am Radweg am Margarethe-Thimme-Weg in Riensberg führen zu langen Umwegen – wie das Problem gelöst werden soll
15 Minuten Umweg oder zwei Minuten über den Riensberger Friedhof? Seit der Radweg am Margarethe-Thimme-Weg gesperrt ist, wählen viele Bremer die Abkürzung. An diesem späten Freitagabend ist viel los auf dem Riensberger Friedhof. Zahlreiche Radfahrer fahren durch die Pforte beim Kolumbarium über die Brücke, um an ihr Ziel zu kommen. Grund: Voraussichtlich bis 6. September ist der Radweg in Höhe der Haltestelle der Straßenbahnlinie 6 in Richtung Berufsbildungswerk voll gesperrt. Pendlerinnen und Pendler ärgert das. Was schlagen sie vor?
Ein in gemächlichem Tempo vorbeiradelndes Ehepaar steigt kurz ab, um seinem Unmut Luft zu machen: Auf der Baustelle werde nicht durchgängig gearbeitet, sagen sie. Aber die Trupps mit den Absperrungen, die seien schneller da, als man gucken könne. Außerdem sei die Baustelle einfach eingerichtet worden, ohne sie rechtzeitig anzukündigen. Dasselbe sei am Jan-Reiners-Weg der Fall gewesen, der auch ohne Vorankündigung abgesperrt worden sei. Dafür fehle in der Bevölkerung die Akzeptanz. Die Radfahrer, darunter viele
Studierende, nutzten nun die Abkürzung über den Riensberger Friedhof, um nicht die aufwendige Umleitungsstrecke benutzen zu müssen. Das koste Zeit, weil man um den ganzen Friedhof herumfahren müsse.
Das weiß auch Gabriele Schiller, die wir vor dem Friedhofstor treffen. Die Radstrecke benutze sie unter anderem, um zum Tierheim zu kommen oder um zum Unisee zu fahren. Für sie ist es als Radfahrerin selbstverständlich, Rücksicht zu nehmen, langsam zu fahren oder abzusteigen. Was sie nicht verstehen kann: „Weshalb wird es für die Zeit der Baustelle nicht offiziell erlaubt, diesen Weg am Rand zu befahren?“ Für Radfahrer dauere das zwei Minuten.

Rücksicht zu nehmen ist auch für die beiden Schulfreunde Mattis und Hannes Ehrensache. Sie schieben das Rad gemütlich über den Riensberger Friedhof. Das sei für sie selbstverständlich, betonen sie. Von dem weiten Umweg sind sie alles andere als begeistert. Genauso wie Ulrike Meyer. Auch für sie ist es selbstverständlich, im Schritttempo über die Route an der Außenseite des Friedhofes zu fahren oder am besten gleich zu schieben. Und Rainer Baier, der mit seinem Rad unterwegs ist und nach eigenen Angaben gleich um die Ecke wohnt, ist, wie er sagt, generell davon genervt, dass Bremen zurzeit eine einzige Baustelle sei. Er hoffe, dass das bald ein Ende habe.
So geht es weiter
Nicht alle sind indes so einsichtig. Wir beobachten zwei E-Roller-Fahrer, die in Höchsttempo über den Friedhof heizen, genauso wie einige E-Radfahrer. Vor allem daran stört sich Leserin und Anwohnerin Iris Gerken. „Ich wohne neben dem Friedhof und verfolge diese sehr, sehr unschöne Entwicklung“, schreibt sie. Erschwerend hinzu komme, dass sich gegen späten Abend auch Menschen auf dem Friedhof treffen, die sich nicht an die Friedhofsordnung halten, schildert sie.
Da die bevorzugte Fahrradroute am Rand des Friedhofes liegt, ist es wohl noch nicht zu Störungen von Trauergemeinden gekommen. So schildert es Marnie Meyer von der Verwaltung des Riensberger Friedhofes. „Auch wir haben ein erhöhtes Verkehrsaufkommen festgestellt“, berichtet sie. Die Polizei habe am Eingang zur Heymelstraße bereits eine Bake aufgestellt, um die Durchfahrt zu unterbinden.
Eine Nachfrage beim Amt für Straßen und Verkehr ergibt, dass die Zuständigkeit für die Baustelleneinrichtung bei der Polizei Schwachhausen liegt. Nils Matthiesen, Pressesprecher der Polizei Bremen, erläutert: „Die aktuelle verkehrsrechtliche Anordnung für die Neuverlegung des Hochspannungskabels der Wesernetz ist bis einschließlich 6. September gültig.“
Zum Hintergrund: Im Bereich H.-H.-Meier-Allee / Magdalena-Thimme-Weg und Achterstraße habe es in diesem Jahr mehrere Maßnahmen von verschiedenen Baufirmen gegeben. Hauptsächlich seien dies Maßnahmen für die oben genannte Hochspannungsleitung der Wesernetz und für die Erweiterung des angrenzenden Friedhofsgeländes gewesen. Matthiesen führt weiter aus: „Aufgrund der beengten Platzverhältnisse des Magdalena-Thimme-Weges zwischen den Gleisanlagen der BSAG und dem Friedhof ist ein Notweg unter Einhaltung der geltenden Richtlinien für die Sicherung an Arbeitsstellen nicht möglich. Daher wurde eine entsprechende Umleitung beschildert.“ „In Abstimmung mit der Friedhofsleitung wurde die offizielle Umleitungsstrecke im östlichen Bereich des Friedhofs geändert und wird nun direkt vom Magdalena-Thimme-Weg auf die Riensberger Straße geführt und nicht mehr am Friedhof entlang“, erläutert Matthiesen.
Zusätzlich sei am Friedhofseingang eine Absperrschranke aufgestellt worden. „Zusätzliche optionale Maßnahmen wurden mit der Friedhofsleitung erörtert und werden gegebenenfalls direkt durch diese umgesetzt. Dies kann bis zur Schließung einzelner Eingänge führen, um den Radverkehr zu unterbinden“, sagt der Polizeipressesprecher.