Nach schweren Unfällen: Fuss e.V. fordert fußgängersichere Ampelschaltungen
Die Benachteiligung von Fußgänger*innen ist an Ampeln besonders spürbar – auch hier in Bochum. Neben den widrigen Bedingungen, die das Warten an der Ampel mit sich bringt – Lärm und Abgasen unmittelbar ausgesetzt – sind zu Fuß Gehende beim Queren der Straße konkret gefährdet. Besonders kritisch sind Ampelschaltungen, bei denen abbiegende Fahrzeuge und querende Fußgänger*innen gleichzeitig Grün haben. In Bochum kam es in jüngerer Zeit mehrfach zu schweren Unfällen in solchen Situationen. Besonders deutlich wird dies am Beispiel eines Unfalls vom 27. März an der Kreuzung Unterstraße / Am Neggenborn in Langendreer.
Ein 49-Jähriger überquerte dort die Fußgängerfurt bei Grün. Gleichzeitig bog ein Pkw ebenfalls bei Grün links ab und kollidierte mit dem Fußgänger. Der Mann stürzte und zog sich schwere Verletzungen zu. Die Polizei erfasste als Unfallursache einen „Fehler beim Abbiegen nach links“. Die Kreuzung wurde bereits 2020 als Unfallhäufungsstelle der Stadt Bochum gemeldet, da sich dort in der Drei-Jahres-Betrachtung fünf Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Gehenden und Radfahrenden ereigneten. Die darauf eingeleiteten Maßnahmen zur Steigerung der Verkehrssicherheit haben offenbar ihr Ziel verfehlt, wie der jüngste Unfall zeigt. Aus Sicht des Fuss e.V. ist nicht nachvollziehbar, dass an einer bekannten Unfallhäufungsstelle weiterhin eine Ampelschaltung betrieben wird, bei der der abbiegende Kfz-Verkehr und der querende Fußverkehr gleichzeitig Grün erhalten. Solche Konflikte sind vermeidbar.
Fuss e.V. fordert deshalb:
- die Einführung einer konfliktfreien Ampelschaltung mit getrennten Grünphasen für den abbiegenden Kfz-Verkehr sowie den querenden Fußverkehr an der Kreuzung Unterstraße / Am Neggenborn.
- die Überprüfung weiterer Unfallhäufungsstellen mit Abbiegeunfällen in Bochum, insbesondere der Kreuzung Wattenscheider Hellweg / Höntroper Straße / Westenfelder Straße, die sowohl für die Nahversorgung als auch als zentraler Zugangspunkt zum ÖPNV ein hohes Fußverkehrsaufkommen aufweist.
- die konsequente Ausrichtung der Stadt Bochum am Leitbild Vision Zero, nach der die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr zukünftig auf null reduziert werden soll.
Andere Städte zeigen, dass dies möglich ist. Dresden hat vor wenigen Tagen Sachsens erste Rundum-Grün-Ampel realisiert. Bei dieser Form der Ampelschaltung erhalten alle Fußgänger*innen gleichzeitig Grün, während der übrige Verkehr wartet. Zu Fuß kann die Kreuzung dann auch diagonal überquert werden. Auch in Aachen wurden an zahlreichen Kreuzungen konfliktfreie Ampelschaltungen eingeführt, um Abbiegeunfälle mit zu Fuß Gehenden und Radfahrenden wirksam zu verhindern. „Die Beispiele zeigen, wie sich die Sicherheit für zu Fuß Gehende konkret verbessern lässt. Bochum sollte jetzt nachziehen“, sagt Anna Kleinsteinberg, Sprecherin des Fuss e.V.





