Pressemitteilungen

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Viele Politiker/innen und die derzeitige Bundesregierung glauben, dass auf Bundesebene kaum etwas für die Sicherheit und den Komfort des Fußverkehrs getan werden kann. Zum Glück irren sie sich. Fuss e.V. schrieb vor den Bundestagswahlen Abgeordnete und Fraktionen an und fragte sie nach ihrer Meinung zu sieben pragmatischen Vorschlägen. Drei davon möchte Fuss hier kurz vorstellen, ihre Umsetzung würde das Gehen in den Kommunen erleichtern und sicherer machen:

Die Fahrbahn queren

Die generelle Anweisung in der StVO, dass Fußgängerinnen und Fußgänger Fahrbahnen „zügig auf dem kürzesten Weg quer zur Fahrtrichtung" zu überschreiten haben „und zwar, wenn die Verkehrslage es erfordert, nur an Kreuzungen oder Einmündungen“ ist nicht mehr zeitgemäß. Sie wird in der Praxis mittlerweile zu einer nicht erforderlichen Einschränkung, zum Beispiel in verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen sowie in Tempo-30-Zonen. Insbesondere angesichts des demografischen Wandels sendet der Begriff „zügig“ an Autofahrer eine falsche Botschaft, ältere Menschen brauchen nun mal oft mehr Zeit zum Queren der Fahrbahn. Um das Satzungetüm in der derzeitigen StVO auf das Wesentliche und damit Verständliche zu reduzieren, schlägt Fuss e.V. folgende Formulierung vor: „Wer zu Fuß geht, hat Fahrbahnen unter Beachtung des Fahrzeugverkehrs zu queren“.

An Kreuzungen ist die Situation noch unübersichtlicher: „Hand aufs Herz, kaum ein Autofahrer und nur wenige Fußgänger sind doch wirklich sattelfest bei der Frage, wann Autofahrer beim Abbiegen den querenden Fußgängern Vorrang gewähren und warten müssen“, hat Stefan Lieb, Geschäftsführer von Fuss e.V., beobachtet. Da nur die Regeln wirksam sein können, die eindeutig sind, schlägt der Verein eine klare Formulierung für § 25 Absatz 3 der StVO vor: „An Kreuzungen und Einmündungen haben Fußgänger beim Queren der Fahrbahn Vorrang gegenüber abbiegenden Fahrzeugen.“ Diese Formulierung würde auch Autofahrern das Leben erleichtern und ihren Stress mindern.

Ortsdurchfahrten zu innerstädtischen Straßen machen

Kommunen können bei der Gestaltung von Ortsdurchfahrten oft nicht mitreden, besonders wenn Bund, Land oder Kreis Baulastträger sind. So hat z.B. der Bund die Regelbreite von Gehwegen an Bundesstraßen in seinen Richtlinien für Ortsdurchfahrten auf 1,50 Meter festgelegt. Wenn Kommunen breitere Gehwege anlegen wollen, müssen sie die Differenz selbst bezahlen, wozu viele Gemeinden nicht in der Lage sind. „Das ist ein Maß, das teilweise noch im letzten Jahrhundert galt, aber nicht mehr dem heutigen Stand der Verkehrsplanung entspricht“, kommentiert Stefan Lieb, „wenn alle bundesweiten Regelwerke breitere Gehwege vorsehen, müssen diese Standards auch auf allen Straßen innerhalb geschlossener Ortschaften zur Anwendung kommen, damit überholtes Wissen nicht mehr in Beton gegossen wird“. Die Bundesregierung müsse deshalb ihre Regelungen für Bundesstraßen den gültigen Standards anpassen.

 

Direkt-Link zu den sieben Vorschlägen von FUSS e.V.

Wenn Sie außerhalb unserer Geschäftszeiten mehr über unsere verkehrspolitischen Forderungen, Ziele und Positionen erfahren möchten, dann finden Sie hier Lösungen zu 50 Problemen des Fußverkehrs.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 18. August 2017

 

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Der Bundesrat hat mit großer Mehrheit in seiner Sitzung das Bundesverkehrsministerium aufgefordert, den Bußgeldkatalog anzupassen. Lkw, die baulich gefährdete Brücken widerrechtlich befahren, sollen mit Bußgeldern bis zu 1.000 Euro belegt werden (Siehe z.B. Pressemitteilung des NRW-Verkehrsministeriums vom 14.10.2016).

Der Fachverband Fußverkehr Fuss e.V. unterstützt diese Initiative, hält sie jedoch für inkonsequent: Täglich stehen tausende von Pkw und Lkw auf Gehwegen, die für diese Belastung nicht geplant und gebaut wurden. Die Gehwege werden damit von den widerrechtlichen Nutzern beschädigt und müssen von den Kommunen repariert werden. „Das Ganze geht dann noch zu Lasten des Etats für den Fußverkehr“, so Stefan Lieb, Geschäftsführer von Fuss e.V., „und das Geld fehlt dann z.B. für Zebrastreifen.“

Der Verband schlägt folgerichtig vor, zusätzlich zu den derzeitigen Bußgeldern gegen das Falschparken auf Gehwegen, die das Behindern und Gefährden von Fußgängern ahnden, eine Summe von den Verursachern der Bauschäden zu erheben. Deren Höhe sollte sich ggf. am Gewicht des Fahrzeugs orientieren. Die Belastung der Verkehrsflächen wächst mit dem Gewicht des Fahrzeugs exponentiell mit der Potenz 4.

„Von neun untersuchten EU-Mitgliedsstaaten hat Deutschland die niedrigsten Bußgeldsätze für das Falschparken auf Geh- und Radwegen“, so Stefan Lieb, „dann sollten zumindest die nötigen Reparaturen nicht von den Betroffenen, sondern von den Verursachern bezahlt werden.“ („EU-Knöllchen-Report“, PDF, ab Seite 4) Der Verband bittet die Bundesländer, diesen Ansatz bei den Verhandlungen mit dem Bundesverkehrsministerium zu berücksichtigen. „Ihre klammen Kommunen werden es ihnen danken!“

 

Direktlinks zur Website des FUSS e.V., die sich mit dem (Falsch)Parken von Kfz auf Gehwegen befasst:
www.gehwege-frei.de und www.gehwege-frei.de/was-wir-wollen.html

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 17. Oktober 2016

 

Anlässlich der Auftaktveranstaltung für die Entwicklung von Fußverkehrsstrategien in Städten ist am Montag zum ersten Mal in Deutschland ein mit externen Experten besetzten Gremium des Fachverbandes Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. zusammengekommen, das sich bis 2018 ausschließlich mit der Frage beschäftigen wird, wie der Fußverkehr strategisch zu fördern ist. Gastgeber war die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in Berlin, der Stadt mit der ersten durch den Senat verabschiedeten Fußverkehrsstrategie in Deutschland.

Bernd Herzog-Schlagk vom Fuss e.V. machte deutlich, dass er eine „mit den anderen Verkehrsträgern abgestimmte intensive Förderung des Fußverkehrs in den Städten für unabdingbar hält, wenn die selbst gesteckten oder vorgegebenen Ziele der Unfallminderung, der Luftreinhaltung und des Lärmschutzes, der Klimapolitik und der Barrierefreiheit erreicht werden sollen.“ Dabei steht nach Ansicht der Fußgängerorganisation „Deutschland bei weitem nicht in vorderster Reihe, wenn es um die Förderung des Fußverkehrs geht. Es macht sogar den Eindruck, als habe es in den letzten Jahren den Anschluss verpasst.“

In der Tat haben die direkten Nachbarn nicht nur intensiv über die Vorteile des Gehens in den Städten nachgedacht, sondern längst Strategien entwickelt und Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Komforts von Fußgängerinnen und Fußgängern eingeleitet. So verwies Thomas Schweizer von Fussverkehr Schweiz auf die guten Erfahrungen mit dem bereits 2002 entwickelten umfassenden Konzept für den „Langsamverkehr“ und Dieter Schwab vom Verein walk-space.at stellte den 2015 in Österreich verabschiedeten nationalen „Masterplan Gehen“ sowie die daran gekoppelten strategischen Vorgehensweisen vor. Beide Pläne könnten Vorbildcharakter auch für Fußverkehrsstrategien in Deutschland haben.

Zahlreiche europäische Städte, wie z.B. Kopenhagen, London oder Stockholm arbeiten an einer strategischen Förderung des Fußverkehrs. Und sogar nordamerikanische Städte, wie z.B. Chicago und San Francisco, von denen deutsche Städte die allein auf das Auto ausgerichtete Verkehrsplanung früher übernehmen wollten, steuern mittlerweile um, angesichts ungelöster Probleme mit und durch den motorisierten Individualverkehr. Sie haben ebenfalls die Förderung des Fußverkehrs als einen Lösungsansatz entdeckt.

Wer zu Fuß geht, produziert weder Abgase noch Lärm, braucht keinen Sprit und wenig Platz. Der Fußverkehr ist das Bindeglied zwischen allen anderen Verkehrsarten der städtischen Mobilität und hilft, die städtischen Verkehrsprobleme zu lösen. So hat denn auch das Umweltbundesamt in der Veröffentlichung „Umweltverträglicher Verkehr 2050 – Argumente für eine Mobilitätsstrategie für Deutschland“ den Fußverkehr „als ernst zu nehmende Verkehrsart“ erkannt. Eine nationale Fußverkehrsstrategie für Deutschland gibt es bisher jedoch nicht. Deshalb wird der Fachverband FUSS e.V. notwendige Grundlagen und inhaltliche Ansätze für Fußverkehrsstrategien auf kommunaler Ebene zusammentragen und weiterentwickeln. Das Projekt wird ab 2016 bis Ende März 2018 durch das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) im Rahmen der Verbändeförderung und durch Projektspenden an den Verein unterstützt.

Ziel der Aktivitäten ist es, einen Handlungsleitfaden zur Förderung des Fußverkehrs in Kommunen zu erstellen, der auf die zuvor analysierten Bedürfnisse von Fußgängerinnen und Fußgängern eingeht. Dabei soll es nicht nur um Straßen und Plätze als Verkehrswege gehen, sondern auch um den barrierefreien Zugang und die Nutzung des öffentlichen Raumes durch alle Bevölkerungsgruppen zum Verweilen, zum Spielen und zur Kommunikation.

 

Direktlink zur Projekte-Website: www.fussverkehrsstrategie.de

 

Kontakt Montag, 5. September 2016, 14.00 – 18.00 Uhr:
Stefan Lieb, Bundesgeschäftsführer
0176/ 80 235 524

Kontakt ab Dienstag, 5. September 2016, 9.00 – 15.00 Uhr

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 5. September 2016

 

Der FUSS e.V. stellte am 14.9.2016 von 11 bis 12.00 Uhr Verkehrssicherheit am Gefahrenbrennpunkt Roelckestraße in Berlin im Rahmen einer Aktion her.

Auf Höhe der Lehderstraße ist ein Queren für Fußgänger gefahrlos nicht möglich. Gehwegvor­streck­ungen fehlen. Keine Ampel. Parkende Autos versperren die Sicht, und in jede Richtung sind es rund 300 Meter bis zu einem gesicherten Übergang. Das 700 Meter lange Stück Straße zwischen Ostsee- und Langhansstraße verführt Autos und Motorräder zum Rasen.

Der letzte Unfall liegt drei Wochen zurück, berichten Anwohner. Fünf bis sechs Unfälle seien es pro Jahr. Matthias Dittmer, Fuss e.V. und Organisator der Aktion: „Diese Kreuzung ist in den Stoßzeiten geradezu ein Idealbeispiel für Orte, an denen man selbst als Erwachsener und nicht mobilitätseingeschränkter Fußgänger kalt­feuchte Hände bekommt.“

Der Gefahrenbrennpunkt Roelckestraße sei ein Beispiel für das Handlungsversagen des Senats. Auf dem Papier stehe eine Fußgängerstrategie, die sich gut liest. Umgesetzt werde sie nur zögerlich in wenigen Modellprojekten. Nicht einmal einen Fortsetzungs­beschluss für die bescheidenen Vorhaben gebe es.

Der Fuss e.V fordert vom künftigen Senat, die Fußgängerstrategie fortzuführen, umzusetzen und auf ganz Berlin auszudehnen. Der Verein will u.a. für Fußgänger folgende sicherheitsrelevanten Prinzipien umgesetzt sehen:

  • An Kreuzungen mit Ampeln können Fußgänger in einem Zug über die Straße gehen.
  • Falschparken auf Gehwegen wird konsequent geahndet. Werden Gehwege so zugestellt, dass weniger als 2 Meter Durchgang bleibt, wird abgeschleppt.
  • Bessere und mehr Sichtkontakte auf den Autoverkehr vorm Queren der Fahrbahn, d.h. mehr Lücken in die endlose Reihen der parkenden Autos z.B. durch Gehwegnasen und Fahrradabstellmöglichkeiten für Fahrräder im Parkstreifen.
  • Mehr und kompetentes Personal für die Fußverkehrsstrategie in den Behörden auf Senats- und Bezirksebene!

 

Kontakt:
Matthias Dittmer 0170/233 63 36

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 14. September 2016

 

Mit der kommenden Änderung der StVO soll es „geeigneten Begleitpersonen“ erlaubt werden, radelnde Kinder ebenfalls per Fahrrad über die Gehwege zu lotsen. Am 7. September entscheidet der Verkehrsausschuss des Bundesrates, ob er die Vorlage des Bundeskabinetts annimmt. Fuss e.V. hatte sich als einziger Verband bei der Anhörung des Bundesverkehrsministeriums klar gegen mehr Radfahrer auf Gehwegen ausgesprochen. Die Argumente des Vereins haben anscheinend teilweise gefruchtet.

So sollen laut der geänderten Vorlage nur noch Kinder bis acht Jahren (vorher bis zehn Jahren) auf dem Gehweg radelnd begleitet werden dürfen. Desweiteren muss „auf zu Fuß Gehende [nicht nur] besondere Rücksicht“ genommen werden. Hinzu gekommen sind die beiden Sätze: „Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden“ und: „Soweit erforderlich muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden“.

Doch das ist nach Ansicht der Fußverkehrs-Lobby nicht genug: „Wenn Erwachsene Kindern das Rad fahren beibringen, sollen sie das richtig tun“, so Stefan Lieb, Geschäftsführer Fuss e.V., „und geradelt werden darf auf Radwegen, Radfahrstreifen und auf der Fahrbahn, nicht jedoch auf Gehwegen!“. Dort müssen Kinder bis acht Jahren fahren, wenn sie allein unterwegs sind. Das Fahren auf der Fahrbahn sollte nach Ansicht des Verbandes in Tempo 30-Zonen mit den Erwachsenen geübt werden. „Wenn Kinder zehn Jahre alt sind, müssen sie sowieso auf der Fahrbahn radeln. Daher sollte das rechtzeitig trainiert werden“, so Lieb. Kinder, die Rad fahren noch als Bewegungsablauf lernen, können natürlich dabei auf dem Gehweg begleitet werden – selbstverständlich zu Fuß, denn hier müsse man noch häufig korrigierend „Hand anlegen“, was vom Fahrrad aus sowieso nicht möglich sei.

Der Verein fordert daher den Verkehrsausschuss des Bundesrates auf, der Vorlage des Bundeskabinetts nicht einfach zuzustimmen, sondern für Klarheit zu sorgen und den Kindern die Möglichkeit einräumen, richtig Rad fahren zu lernen.

 

Permanent-Link zur Vorlage der StVO-Novelle (Bundeskabinett an Bundesrat).
Die in der Pressemitteilung behandelte Passage (§ 2 Absatz (5) StVO) finden Sie auf Seite 8 des pdf-Dokuments.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 31. August 2016