Die Einschulungen sind natürlich wieder ein Grund zur Freude für die frischgebackenen Pennäler und ihre Eltern. Aber auch Anlass über die Gefahren des Straßenverkehrs nachzudenken. Viele Eltern wollen die ABC-Schützen vor Unfällen bewahren und bringen sie deshalb mit dem Auto zur Schule. Sie tun dies, obwohl sie wissen, dass frische Luft und etwas Bewegung ihren Kindern gute täte und sie selbst in ihrer Kindheit selbstverständlich zu Fuß zur Schule unterwegs waren.

Eine Untersuchung des FUSS e.V. zeigt, dass die Gleichung „Mit dem Auto zur Schule = Sicher zur Schule“ nicht aufgeht. Der Fachverband Fußverkehr Deutschland hat herausgefunden: Das Risiko im Straßenverkehr zu verunglücken ist für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die mit dem „Elterntaxi“ zur Schule gebracht werden oder selber mit dem Auto zur Schule bzw. Hochschule fahren, um das Dreifache höher als bei ihren zu Fuß gehenden Mitschülern. In exakten Zahlen sieht das so aus: Während von 10.000 Verkehrsteilnehmern, die den Schulweg im Auto zurücklegten, im Jahre 2008 60 Personen verletzt wurden, waren es bei den Fußgängern nur 18 Verletzte.

Grundlage der Berechnungen sind die Daten des Mikrozensus 2008 („kleine Volkszählung“), die vom Statistischen Bundesamt erhoben werden, und Angaben der „Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung“, die im Gegensatz zur amtlichen Statistik der Polizei auf Unfallmeldungen von den Schulen und den behandelnden Ärzten beruhen und damit alle Straßenverkehrsunfälle auf Schulwegen erfassen.

„Und der Schulweg zu Fuß hat noch viele weitere positive Seiten“, meint FUSS e.V. -Sprecher Frank Biermann, „diese Bewegung gibt es zum Beispiel ohne zusätzlichen Zeitaufwand“. Eltern, die den „vollen Terminkalender“ vieler Schulkindern kennen, werden das zu schätzen wissen.

Der gemeinsame Schulweg ist auch eine gute Gelegenheit, soziale Kontakte zu Mitschülern zu pflegen. Dies ist ein weiteres Plus für „Per-pedes-zur Schule“ in einer Welt, in der soziale Kompetenzen für die Chancen im Beruf unabdingbar geworden sind.

Und schließlich schärft „Zu Fuß zur Schule“ auch die Sinne: Statt die Stadt nur am Autofenster „vorbeifliegen“ zu sehen, lernen gehende Schüler ihre Umwelt rechts und links des Schulwegs viel intensiver wahrzunehmen - und sind dann bei Unterrichtsbeginn hellwach und aufnahmebereit.

Der Fachverband Fußverkehr Deutschland will deshalb die Eltern ermuntern, ihre Kinder wieder öfter zu Fuß zur Schule zu schicken und lädt sie ein, zusammen mit ihren Lehrern an der Kampagne „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ teilzunehmen. Starttag ist in diesem Jahr wieder der 22. September. Die vom FUSS e.V. bundesweit koordinierte Kampagne findet in diesem Jahr zum zehnten Mal statt.

Tipps für Aktionen vor Ort und in den Schulen gibt es im Internet unter www.ZuFusszurSchule.de, einen Leitfaden zur Erstellung von Schulwegplänen unter www.Schulwegplaene.de. Faltblätter, Broschüren und Plakate erhalten Interessierte beim FUSS e.V. (Kontaktdaten siehe ganz unten).

Quellen und Hintergrund-Informationen zu den Verkehrsunfallrisiko-Berechnungen:

  • Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung DGUV: Statistik Schülerunfallgeschehen 2008, Kapitel IV, 4. „Straßenverkehrsunfälle“, München, Oktober 2009: PDF-Download
  • Statistisches Bundesamt: Pendler: Die Mehrheit nimmt weiter das Auto, Kapitel „Fahrrad und Fußweg bei Schülern und Studierenden auf dem Rückzug“, 30. Oktober 2009: Website Statistisches Bundesamt

Trotz einiger Einschränkungen der Vergleichbarkeit (die DGUV erfasst neben den auch beim Mikrozensus berücksichtigten Schülern und Schülerinnen von allgemein bildenden und beruflichen Schulen sowie Studierenden zusätzlich Kinder in Kindergärten, Kinderkrippen und Horte) ist das Ergebnis dennoch eindeutig: Es besteht ein erhebliches Gefälle beim Verkehrsunfallrisiko auf Schulwegen zwischen Fußgängern und den Insassen von Autos.

 

Pressemitteilung des
FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 4. August 2010