Mit der kommenden Änderung der StVO soll es „geeigneten Begleitpersonen“ erlaubt werden, radelnde Kinder ebenfalls per Fahrrad über die Gehwege zu lotsen. Am 7. September entscheidet der Verkehrsausschuss des Bundesrates, ob er die Vorlage des Bundeskabinetts annimmt. Fuss e.V. hatte sich als einziger Verband bei der Anhörung des Bundesverkehrsministeriums klar gegen mehr Radfahrer auf Gehwegen ausgesprochen. Die Argumente des Vereins haben anscheinend teilweise gefruchtet.

So sollen laut der geänderten Vorlage nur noch Kinder bis acht Jahren (vorher bis zehn Jahren) auf dem Gehweg radelnd begleitet werden dürfen. Desweiteren muss „auf zu Fuß Gehende [nicht nur] besondere Rücksicht“ genommen werden. Hinzu gekommen sind die beiden Sätze: „Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden“ und: „Soweit erforderlich muss die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr angepasst werden“.

Doch das ist nach Ansicht der Fußverkehrs-Lobby nicht genug: „Wenn Erwachsene Kindern das Rad fahren beibringen, sollen sie das richtig tun“, so Stefan Lieb, Geschäftsführer Fuss e.V., „und geradelt werden darf auf Radwegen, Radfahrstreifen und auf der Fahrbahn, nicht jedoch auf Gehwegen!“. Dort müssen Kinder bis acht Jahren fahren, wenn sie allein unterwegs sind. Das Fahren auf der Fahrbahn sollte nach Ansicht des Verbandes in Tempo 30-Zonen mit den Erwachsenen geübt werden. „Wenn Kinder zehn Jahre alt sind, müssen sie sowieso auf der Fahrbahn radeln. Daher sollte das rechtzeitig trainiert werden“, so Lieb. Kinder, die Rad fahren noch als Bewegungsablauf lernen, können natürlich dabei auf dem Gehweg begleitet werden – selbstverständlich zu Fuß, denn hier müsse man noch häufig korrigierend „Hand anlegen“, was vom Fahrrad aus sowieso nicht möglich sei.

Der Verein fordert daher den Verkehrsausschuss des Bundesrates auf, der Vorlage des Bundeskabinetts nicht einfach zuzustimmen, sondern für Klarheit zu sorgen und den Kindern die Möglichkeit einräumen, richtig Rad fahren zu lernen.

 

Permanent-Link zur Vorlage der StVO-Novelle (Bundeskabinett an Bundesrat).
Die in der Pressemitteilung behandelte Passage (§ 2 Absatz (5) StVO) finden Sie auf Seite 8 des pdf-Dokuments.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 31. August 2016