In einem generationsübergreifenden Projekt haben in den Jahren 2014 und 2015 etwa 120 Schülerinnen und Schüler in Berlin ihre Großeltern oder andere ältere Menschen nach ihren Problemen und Wünschen im Straßenverkehr befragt. Geleitet vom Fachverband Fußverkehr Deutschland Fuss e.V. und gefördert durch die Verkehrslenkung der Senatsverwaltung offenbarten die durchgeführten umfangreichen Interviews, dass sich die Senioren nicht nur über Radfahrer und parkende Autos auf Gehwegen ärgern, sondern auch über die unzulängliche Infrastruktur in der Stadt. Projektleiter Bernd Herzog-Schlagk sieht bestätigt, dass „weiterhin an einer seniorengerechten und möglichst barrierefreien Straßenraumgestaltung intensiv gearbeitet werden muss.“

Herausragend waren die Probleme mit zu kurzen Grünzeiten an Ampeln, über die sich etwa 7 von 10 der Befragten negativ äußerten und die Zulässigkeit der bei Fußgängergrün gleichzeitig abbiegenden Fahrzeuge mit immerhin 6 von 10 der Befragten. Lediglich von etwa einem Drittel der Befragten wurden dagegen zu lange Wartezeiten genannt. Auf Gehwegen wurde an erster Stelle die unzureichende Schnee- und Eisbeseitigung kritisiert (7 von 10), und immerhin 6 von 10 Befragten beklagten sich über die Schäden in Gehwegbelägen, die immer wieder zu Stürzen mit teilweise schweren Folgen von Fußgängerinnen und Fußgängern führen. Bei der freien Nennung weiterer Probleme äußerten sich immerhin ein Viertel der Befragten negativ zu den Hinterlassenschaften von Hunden.

Aber auch über das Verkehrsverhalten der anderen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer sind die Senioren recht unzufrieden. Auf Gehwegen waren es eindeutig die Radlerinnen und Radler sowie die unzulässig, geduldet oder gar zugelassenen parkenden Kraftfahrzeuge, die 7 von 10 Befragte als häufig störend angegeben haben. Ein ebenso großes Ärgernis stellen offensichtlich Fehlverhalten von Autofahrerinnen und Autofahrern an Fußgängerüberwegen (Zebrastreifen) dar. Es folgten die abbiegenden Fahrzeuge, welche den Gehenden häufig nicht den vorgeschriebenen Vorrang einräumen und die an den Überwegen in Kreuzungsbereichen verkehrswidrig abgestellten Fahrzeuge (jeweils 6 von 10).

Nach Ansicht des FUSS e.V. zeigen die hohen Anteile der Unzufriedenheit, so Herzog-Schlagk, „dass es für die Absicherung der Gehwege und Querungsanlagen aus der Sicht der zunehmend älter werdenden Stadtbevölkerung in Deutschland einen großen Nachholbedarf gibt.“ Der Verband wird die Erkenntnisse aus der Befragung als Grundlage für seine in den kommenden Jahren zu entwickelnde „Fußverkehrsstrategie“ verwenden (www.fussverkehrsstrategie.de).

Sie finden die Auswertung der Befragungen unter www.senioren-sicher-mobil.de > Schüler befragen Senioren > Modellvorhaben > Befragung.

Allgemeine Infos zum Projekt „Schüler befragen Senioren“ finden Sie hier unter www.senioren-sicher-mobil.de > Schüler befragen Senioren.

 

Pressemitteilung des
Fuss e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
vom 23. Mai 2016